Namaste. Nachdem die bloggende Partei leider schon vorzeitig die Heimreise angetreten hat (müssen) habe ich mich heute entschieden zu versuchen den Indien Reiseblog weiterzuführen. Hierfür habe ich (als ersten Schritt) Teil3 angelegt. Ich werde aller Vorraussicht nach weder in vergleichbarer Kontinuität, Informationsgehalt, Quantität oder Qualität Neues posten. Dies liegt zum einen an meiner tollen und unwiderlegbaren Ausrede, dass ich nur ein Mobiltelefon zum schreiben habe und ich es doof finde lange Texte damit zu schreiben und zum anderen daran, dass ich versuche mehr im Hier und Jetzt rumzuschwurbeln und meine Erinnerungen in Herz und Kopf zu bewahren. Nichts desto trotz wird es hier immer mal wieder ein bisschen was zu lesen geben. Ganz liebe Grüße an euch alle, vor allem aber an Irmgard und Uli. (h)
Wegen Krankheit müssen wir unseren Indien-Trip leider vorzeitig abbrechen, dies ist das Ende des Blogs, sorry.
Mittwoch, 24.1. Madurai
Unser Zimmer lag sehr Nahe der Rezeption, und da war die ganze Nacht Theater, Irmi hat kaum geschlafen und ist in entsprechender Verfassung. Also werden wir es heute langsam angehen und erst am Nachmittag die Stadt erkunden.
Dienstag, 23.1. Madurai
Wir verlassen Nagercoil und kommen bald auf einen 4-spurigen Highway, seit Wochen wieder einmal, noch dazu mit erstaunlich wenig Verkehr. Deshalb entscheiden kurzerhand, das wir statt in 2 Etappen nach Madurai zu fahren es in einem Rutsch machen. Das ist für mich etwas anstrengend, denn ich habe schlecht geschlafen und bin müde, brauche öfters kurze Pausen. Trotzdem kommen wir schon gegen 3 an und finden im 2. Anlauf ein Hotel, Preis ist günstig, Zimmer geht so, aber es ist direkt an der Altstadt, Geschäfte, Restaurants, Bar in unmittelbarer Nähe.
Montag, 22. 1. Nagercoil
Eigentlich wollten wir einen Tagesausflug zur Südspitze Indiens machen, aber da es sowieso auf unserem Weg liegt fahren wir die 50 km in ein Hotel in Nagercoil, laden ab und von dort dann die paar km zum Kap Kanyakumari, hier treffen sich die arabische See und der Golf von Mannar. Das ist ein viel besuchter Pilgerort mit kaum Ausländern aber reichlich Buden mit Götter-Devotionalien und natürlich Müll. Die Pilgerstätten sind auf zwei vorgelagerten kleinen Inseln, dementsprechend lang sind die Schlangen vor den Bootsanlegern, von denen aus es zu den Inseln geht, wir verzichten. Alles in Allem ganz nett und man kann abhaken, dass man einmal am südlichsten Punkt Indiens war, aber der Super-Bringer war es nicht.
Die Südspitze Indiens
Sonntag, 21.1. Poovar
Heute gehen wir an den Strand. Der hat enormes Potential, ein fast leerer, breiter, feinkörniger Sandstrand soweit das Auge reicht, sanft abfallendes Meer mit leichten Wellen und im Hintergrund Palmen, gelegentlich unterbrochen von Fischersiedlungen,sehr schön, aber leider ziemlich vermüllt, das macht es häßlich. Und es gibt nichts, wo man Schatten findet oder etwas trinken kann, so hält man es nicht lange aus, deshalb ziehen wir auch weiter und fahren mit dem Moped etwas an den Backwaters entlang.
Strand von Poovar
Uli muss bloggen
Samstag, 20.1. Poovar
Wie üblich beginnen wir den Tag gemächlich, vom Hotel haben wir mal wieder einen Wasserkocher bekommen und nach der 3. Tasse Kaffee, kurz vor dem Mittag, da ist auch Irmi wach. Mit dem Moped machen wir eine kurze Erkundungstour, aber die umliegenden Orte bieten nix besonderes. Für den Nachmittaag haben wir wieder eine Backwater-Tour gebucht. Die gibt es hier nämlich auch, aber sie sind ganz anders: Ein weitgehend naturbelassenes Brackwasser-Sumpfgelände mit toten Seitenarmen des Flusses. Keine Kanäle, keine Deiche, kaum Bebauung, ist in dem Gelände auch schwer möglich. Dafür dicht bewachsen mit Mangroven und anderen Sumpfpflanzen, viel Vögeln, die kaum Scheu zeigen. Unter anderem Kormoran-ähnliche Tauchvögel und der Kingfisher. Der ist hier viel kleiner als in Alleppy, da war er doppelt so groß wie eine Taube, hier so wie unser Eisvogel in Europa, aber dafür konnten wir sehr nahe ran. Natürlich gibt es hier auch Tourismus, aber in Grenzen. Es gefällt mir viel besser als Alleppy.


Poovar-Backwaters
Vögel
Elephant-Rock
Man könnte meinen, es gefällt Irmi
Ein kitschiger Sonnenuntergang sollte in jedem Blog sein!
Freitag, 19.1. Poovar
Wir sind gut vorwärts gekommen. Unsere neue Unterkunft liegt ca. 2 km südlich des Örtchens Poovar an einem toten Flußarm. Sehr idyllisch und kaum Moskitos, das Meer ist nicht weit. Gegenüber ist ein Restro, andere Gäste essen dort, aber uns gefällt es nicht. Nach einer Pause fahren wir in die „Stadt“ zum essen und einkaufen.
Donnerstag, 18.1. Pathanamthikka
Kumily ist schön, aber jetzt geht es weiter, zu anderen schönen Orten in Indien. Aber zuerst einmal nur eine kurze 100km Etappe. Durch die West-Ghats, herrliche Gegend, gute Straßen, wenig Verkehr, viele Kurven und Serpentinen, alles wie gehabt. Für den Leser vielleicht langweilig, aber uns macht es jedes mal auf‘s Neue Spaß.
Teeplantagen …
… in den West Ghats
Mittwoch, 17.1. Kumily
Mit Irmi geht es weiter aufwärts, aber vorsichtshalber bleiben wir noch einen Tag, nicht das sie durch eine anstrengende Mopedtour einen Rückschlag bekommt. Die Menschen in den Wohnhäusern und Geschäften rund um das Hotel kennen uns mittlerweile, grüßen uns, viele mit Handschlag und einige haben sich sogar die Namen gemerkt. Der Junge, bei dem ich morgens unsere Heißgetränke hole (Irmi trinkt jetzt Tee statt Kaffee, etws widerwillig), macht sie schon fertig, wenn ich über die Straße zu im gehe. Es ist schön, von freundlichen Menschen umgeben zu sein.Und noch ein Wort zum Hotelchef und seinem Sohn: Ich kann mich nicht erinnern, in 40 Jahren Reisen in fast 100 Ländern irgendwo freundlicher und hilfsbereiter aufgenommen worden zu sein.
Dienstag, 16.1. Kumily
Irmgard geht es etwas besser, aber sie ist noch schwach, wir werden sehen, ob wir morgen weiter können. Sonst gibt es nichts zu berichten, außer, dass wir regelmäßig Kontakt zu Sara und Hurgl haben, sie machen ihre Yoga-Ausbildung in Goa und es geht ihnen gut.
Montag, 15.1. Kumily
Eigentlich wollten wir heute weiter Richtung Küste, aber Irmi ist krank und bleibt den ganzen Tag im Bett, ich vermute, dass wir morgen auch noch nicht fahren können. Also halte ich auf der Veranda Stallwache und erledige zwischendurch einige Dinge: Geld holen, einkaufen und ich lasse mich mal wieder rasieren. Den Hotelmenschen helfe ich einen neuen Wassertank auf das Dach zu wuchten – so etwas hat fast jedes Haus, eine zentrale Versorgung über Wasserleitungen gibt es anscheinend nur an wenigen Stellen in Indien. Und ich besorge mir ein Andenken von der CPI, die ist neben dem Nationalkongress die größte Partei in Kerala. Ansonsten lesen, im äußerst langsamen Internet stöbern und klug schauen – eine neue Disziplin für mich.
Sonntag, 14.1. Kumily
Heute wollen wir eine Bootsfahrt auf dem Stausee machen, die Anlegestelle ist gut ein Dutzend km entfernt. Auf halbem Weg werden wir aufgehalten, dürfen mit dem Moped nicht weiter, sollen statt dessen den Bus nehmen. Ein Grund wird uns nicht gesagt und jetzt werden wir störrisch. Für die Busfahrt zahlen und dann für das Boot noch einmal? Nein, dann lassen wir es eben. Und Irmi hat gleich eine Ersatzidee: Sie hat ein Geschäft mit schönen Sachen gesehen, und da ich ja das Geld für Boot und Bus gespart habe, könnte sie ja shopen. Also händige ich ihr mein Portemonnaie aus und sie geht einkaufen, derweil ich mich rauchend mit einem der Verkäufer unterhalte. Nach dem Einkauf fühlt sich mein Portemonnaie irgendwie leichter an, aber zu Irmis Ehre muss gesagt werden, dass sie auch für mich etwas gekauft hat.
Für den Abend haben wir Karten für Kalaripayattu, angeblich die älteste Kampfsportart der Welt, aber sicher eine der ältesten und unverfälscht. Ich verstehe von diesen Techniken nicht sehr viel, aber auf jeden Fall ist die Athletik, Beweglichkeit und Dynamik der Kämpfer äußerst beeindruckend, da springt z.B. ein Kerl aus dem Stand durch einen Feuerreifen, dessen Unterkante über 2m hoch gehalten wird – wobei das Feuer natürlich nur der Show dient.
Samstag, 13.1. Kumily
Wenn man in Indien ist, dann sollte man das einmal gemacht haben, so heißt es: Auf einem Elefanten reiten. Um 9 fahren wir das kurze Stück zum Tusker-Trail. Dort wird nach wenigen Augenblicken „unser“ Elefant herangeführt. Er muss sich nicht hin knien, damit wir über sein Bein auf den Rücken klettern können, sie haben ein kleines Türmchen gebaut, das ist bequemer für ihn und für uns. Ganz gemächlich geht es dann mit dem Führer eine Halbe Std. über einen Rundkurs Trampelpfad. Es schaukelt wenig und ist bequem, kein Vergleich zu einem Kamelritt, aber es ist ein enormes Gefühl, in dieser Höhe zu sitzen und die gewaltige Masse an Muskeln unter sich zu spüren. Dann war der Ritt zu Ende und wir wurden zu einem großen Becken mit niedriger Umrandung geführt, in dem ein Elefant lag. Zwei Inder waren dabei ihn mit harten Nylonbürsten kräftig zu traktieren, vor allem das Ohr und den Rüssel. Von meiner Haut wären nach 2 Bürstenstrichen wahrscheinlich nicht mal Fetzen übrig, aber ihm schien es zu gefallen, Dickhäuter eben. Wir wurden in das Becken gebeten und durften das Bürsten übernehmen. Nach einiger Zeit wurde uns dann gesagt, wir sollten alle unsere Taschen leeren und den Oberkörper frei machen, aber hat Irmi sich geweigert. Also bin nur ich wieder ins Becken und dann von hinten unter Anleitung des Elefantenbetreuers auf den Dicken geklettert, bis ich auf seinem Nacken saß. Ich wusste noch nicht so genau was jetzt passiert, wusch, da hat mir der Elefant eine Schwalldusche verpasst. Und dann noch eine und noch eine …. Im Programm stand zwar „Elefantendusche“, aber das kann man so oder so verstehen, der Elefant wird geduscht, oder er duscht dich. Irmgard jedenfalls war begeistert, endlich wird der Schmutzfink mal richtig geduscht!
Im Hotel musste ich mich erst mal abtrocknen und umziehen, und dann kam auch schon der Wirt und sagte uns, er würde uns nachmittags etwas zeigen, was wir natürlich annahmen. Aber zunächst einmal ziehen wir in die Stadt, etwas essen und trinken und schauen. In der Stadt gibt es Dutzende von Gewürzläden, Pfeffer, Kardamom, Ingwer, Kreuzanis, Zimt, Vanille, … man ist ständig umgeben von orientalischen Gerüchen, weit angenehmer als Verkehrsabgase.
Dann geht es nach einer nur kurzen Pause geht es dann mit dem Wirt zum Green Park, eine Art botanischer Garten für Heil- Gewürz- und Nutzpflanzen. Der Besitzer ist unser Führer und ein echter Öko, er lebt mit seiner Familie fast autark auf dem Gelände. Er hat Heilpflanzen für fast alles, unter anderem auch gegen Diabetes, Demenz und Krebs – man muss nur daran glauben. Die vielen Gewürze, die wir in der Stadt gesehen haben, und noch mehr, zeigt er uns hier als Pflanzen, oft in verschiedenen Variationen. Wir schnuppern an Blüten, riechen an zerriebenen Blättern, kauen auf Wurzeln. Von dieser enormen Vielfalt werde ich mir nur Bruchteile merken können, aber trotzdem ein schönes Erlebnis.
Das Tagesprogramm ist immer noch nicht zu Ende, für den Abend hat der Wirt uns Karten für Kathakali (https://de.wikipedia.org/wiki/Kathakali) besorgt. Erst habe ich mich ein kleines bisschen geärgert, weil den Fotoapparat vergessen habe. Es ist aber nicht schlimm, denn die Kathakali-Figuren sind streng festgelegt und ihr Outfit entspricht genau den Bildern im Web. Wir waren etwas zu früh da und konnten teilweise zusehen, wie eine Figur „aufgebaut“ wurde: Auf den Bildern sieht man die weit ausladenden Röcke der Figuren, ähnlich wie Reifröcke. Und ich hätte gedacht, dass man das mit Hilfe eines Geflechts aus dünnem Metall oder Korb oder Weide oder ähnlichem erreicht, aber nein: Alte Reissäcke wurden ziehharmonikaartig gefaltet, wodurch sie mehr Stabilität erhalten, und den Schauspielern dutzendweise mit einer breiten Binde um den Bauch gegürtelt, und zum Schluss kommt dann das eigentliche Kostüm darüber, fand ich lustig! Unser Kathakali dauerte eine Stunde, also die gekürzte Touri-Fassung, und hatte 2 Teile. Zuerst zeigte uns eine Minukku eine ganze Reihe von Ausdrucksformen, wie zornig, ängstlich unsicher, verliebt usw., zum Teil unter Einbeziehung des Publikums. Im zweiten Teil ging es um die abgewiesene Liebe einer Frau, die daraufhin zur Bestie wird und schließlich von dem ehemals angebeteten getötet wird, nun ja, ein Standard-Drama, aber ganz besonders inszeniert.






Pfeffer, grün, rot, schwarz und weiß!!!

Kakao

Magic Banana, mit aufrechtem Blüten- und Fruchtstand
Indische Feige


Freitag, 12.1. Kumily
Heute geht es wieder in die Berge, und ich bin froh darüber: In den letzten Tagen ist die Brise vom Meer immer schwächer geworden, es war teilweise schwül und heiß und ich habe geschwitzt wie ein Schwein, allerdings habe ich noch nie ein Schwein schwitzen gesehen. Die West Ghats ziehen sich auch hier parallel zur Küste, je weiter wir von der weg kommen, um so angenehmer wird das Klima, schwächer der Verkehr und besser die Straßen.
In der Gegend um Kumuli wird nicht mehr Kaffee angebaut wie weiter nördlich, sondern Tee und Gewürze, vor allem Kardamon, das mag ich nicht besonders. Die Adresse zu unserem Hotel haben wir von unserem Wirt in Aleppy. Wir fahren zuerst daran vorbei, aber er hat uns schon erwartet und sieht uns, läuft uns nach. Es ist das Grand Periyar Regency. Die Inder sind schon liebenswerte Angeber mit ihren Geschäftsnamen. Die Holzbude mit dem zweifelsohne guten Streetfood heißt Royal Excellence Hotel oder ähnlich, überall in Indien (wo ich bisher war), und ich weiß bis heute nicht, ob sie das ernst meinen oder ob es nur eine Floskel ist. Ich traue mich aber auch nicht danach zu fragen, denn das könnte als unangenehme Kritik aufgefasst werden. Also halte ich den Mund und schmunzel in mich hinein. Unser Hotel jedenfalls ist klasse: Zuerst einmal, es ist rosa angemalt! Das Zimmer ist sauber und gepflegt. Es liegt in einem Hinterhof nahe der Stadtmitte, also gleichzeitig ruhig und zentral. Der Chef ist sehr hilfsbereit, er macht uns gleich so viele interessante Angebote, dass wir spontan unseren Aufenthalt verlängern, wieder mal ein Volltreffer.
Grand Periyar Regency

Royal Excellence Hotel

Endlich das passende Bier zum Moped
Donerstag, 11.1. Allepy
Das Ausruhen hört nicht auf: Irmi und ich haben eine 1-tägige Kanu-Tour durch die Backwaters gebucht. Um 8 holt uns ein Tuc-Tuc ab, wir sind beide noch nicht wirklich wach, es ist spät geworden gestern und das viele Ausruhen strengt an. Es geht quer durch die Stadt, wir laden noch jemanden ein und dann zur Anlegestelle. Dort übergibt uns der Fahrer dem Kapitän – wir sind immer noch nicht wach. Es geht aber nicht in ein Kanu, sondern auf eine große Fähre. Die fährt kreuz und quer durch die Backwaters von Anlegestelle zu Anlegestelle, viele Schulkinder und andere Passagiere steigen ein und aus. Das dauert 1 Std. und im Halbschlaf bekommen wir einen ersten Eindruck von den Backwaters. Dann steigen wir aus, 3 nette Schweizer gehören noch zur Gruppe, und es geht zu Fuß weiter. Und das in einem ziemlichen Tempo, ich werde jetzt wach, denn mein Knie schmerzt bei dem Tempo und auch Irmis Kreislauf kommt auf Touren. Es geht zum Haus des Käptens, wo es ein traditionelles indisches Frühstück gibt: Idli mit Soße. Irmi und ich stehen nicht auf Frühstück, und auf Idli sowieso nicht, wir verzichten, und genügt ein Tschai, aber die Schweizer langen kräftig zu. Inzwischen ist es 10, jetzt geht es zum Kanu. Der Käpten bleibt zurück, rudern darf sein Bediensteter, na klar. Jetzt geht es in ganz gemächlichem Tempo durch die Kanäle, manche 100m breit, manche nur 2m, zum Teil komplett zugewachsen mit Wasserpflanzen. Dann braucht der „Rudersklave“ Unterstützung, die Schweizer sind jünger als wir, die machen das. An den Rändern der Kanäle stehen aufgelockert immer wieder niedrige Häuser, man sieht Menschen, die sich waschen, Wäsche waschen, sogar Männer, Gemüse waschen, nach Muscheln tauchen, angeln, schwimmen und baden oder einfach nur Kokosschnaps trinken, gelegentlich passiert uns ein fliegender Händler mit seinem Boot. Alles passiert hier viel leiser und langsamer, kein Vergleich mit der Hektik, dem Gedränge, dem Lärm in der Stadt. Wir betachten viele uns unbekannte Pflanzen und viele Vögel, u.a. den Kingfisher, den ich zwar vorher auch schon ein paar mal gesehen habe, aber nur kurz und flüchtig. Hier läßt er sich ganz in Ruhe aus der Nähe betrachten, aber leider nicht nahe genug für meine Kamera. Gegen halb 3 legt das Kanu an, jetzt gibt es ein indisches Mittagessen, Reis und Soßen, natürlich auf einem Bananenblatt und ohne Besteck. Dann wieder zur Anlegestelle der Fähre und mit der zurück in die Stadt.
Wie anfangs schon gesagt, ein ruhiger Tag. Wir fanden die Backwaters angenehm und schön, aber das sie zu den 50 Plätzen gehören sollen, die man in seinem Leben gesehen haben sollte, wie der National Geographic behauptet, das können wir nicht unterschreiben. Was mich am meisten überrascht hat war die Tatsache, dass die Kanäle größtenteils durch Erd- und/oder Steindeiche eingedämmt ist. Große Teile des umliegenden Landes liegen deutlich unter dem Wasserspiegel und werden intensiv genutzt, vor allem Reisanbau. In den Deichen gibt es Wehre, um Wasser abzulassen, und Pumpstationen um Wasser hoch zupumpen, je nach Bedarf. Ohne diese menschliche Einflussnahme wäre das ganze wohl eine große Sumpf- und Wasserlandschaft, kaum geeignet für kommerzielle Schiffahrt, aber vielleicht noch viel schöner.




Impressionen aus den Backwaters
Mittwoch, 10.1. Allepy
Und noch einmal zum Enfield-Händler, diesmal mit dem Tuc-Tuc. Der Chef ist wieder nicht da. Mit seinem 1. Helfer inspiziere ich, sie scheinen gut gearbeitet zu haben auch die Extras wie neue Kerze und die Dichtung am Getriebegehäuse sind gemacht. Und das für weniger als 9€. Und wieder denke ich daran: Wenn ich nach dem Urlaub meine BMW aus der Inspektion hole wird die Rechnung wohl ein klitzekleines bisschen höher ausfallen.
Nachmittags besorgen wir uns neue Telefonkarten, das ist ziemlich umständlich, aber unsere alten laufen aus und mit dem Provider waren wir nicht sehr zufrieden. Und chillen und relaxen wir, keine Ahnung, ob das die richtigen eingedeutschten Worte sind, ich meine jedenfalls ausruhen und entspannen, und bei einer leichten Seebrise und ein paar Bier geht das ganz gut. 


Am Strand von Alleppy kann man es eine Zeit aushalten.
Dienstag, 9.1. Alleppy
Und jetzt der 2. Versuch zur Enfield-Wartung. Diesmal ist der Chef da und er ist eher wortkarg. Ich erkläre ihm und seinem 1. Helfer genau, was ich alles gemacht haben will, das dauert, und ich habe es außerdem noch aufgeschrieben. Sonderlich viel Vertrauen habe ich nicht, aber was soll‘s. Wir vertrödeln Nachmittag und Abend, Irmgard meint, dabei sei mir ein neuer absoluter Rekord im besonders blöd schauen gelungen. Davon gibt es natürlich keine Fotos.
Montag, 8.1. Alleppy
Heute morgen haben wir beide Dinge zu erledigen, ich will zu einem Enfield-Händler, ein Wartungsintervall ist fällig. Zuerst komme ich zu einem Showroom, nur Verkauf, keine Wartung. Ein freundlicher Bullet-Fahrer bringt mich dann zu einer Werkstatt. Ich erkläre dem Chef und einigen jungen Mechanikern meine Wünsche. Man hört sich alles an, dann nimmt mich der Chef ein paar Meter beiseite und erklärt mir: Das Moped ist zu alt, seine Jungs kennen nur die neuen Enfields, wenn sie das machen, dann würde ich eine Menge Probleme bekommen. Er sagt, es gibt einen alten Meister zu dem ich gehen soll und erklärt mir den Weg, naja, so ungefähr jedenfalls. Ich suche lange herum und finde dann die Werkstatt, aber der Boss ist nicht da: Gestern war Ostern. Wir haben zwar am Freitag eine Prozession mit Kreuzen gesehen und uns gewundert, aber welche Kirche feiert denn im Januar Ostern? Egal, der Boss hat gefeiert und heute einen Kater, deshalb kommt er heute nicht. Unverrichteter Dinge komme ich zurück, spätes Mittagessen in der Goa-Kneipe und dann faulenzen.
Zum Abendessen geht es dann an den Hauptstrand von A., da ist deutlich mehr los als bei uns, Buden, Bars, Restros und gut besucht, aber nicht voll. Wir essen im Dreamers, und die Zeitreise geht weiter in die 40er/50er: Musik von Elvis, Sinatra und Kollegen. Und, wie viele indische Restros, haben sie keine Lizenz für Alkohol. Deshalb serviert man uns das Bier in großen, rosa Kaffeetassen, na geht doch! Auf dem Rückweg halten wir bei einer Musik- und Tanzgruppe an, die wir schon auf dem Hinweg gesehen haben. Sie bieten traditionell-indisches dar. Der Haupttänzer trägt einen riesigen Schmuck auf dem Kopf, den er mit beiden Händen festhalten muss. Und er tanzt und tanzt und tanzt, ich hätte nicht einmal die Arme so lange hoch halten können. Dann kommen 4 junge Männer aus der Tanzgruppe und versuchen ihn zu greifen. Ich denke erst, das gehört zu Choreografie, aber nein: Sie packen ihn und zwingen ihn mit sanfter Gewalt zu Boden, er zuckt noch ein paar mal, dann bricht er völlig zusammen. Sie flößen ihm Wasser ein und tragen ihn vorsichtig weg. Er war wohl vollständig in Trance – anders ist so eine Darbietung vielleicht auch gar nicht zu schaffen.

Bier in einer rosa Tasse schmeckt eben nur den Auserwählten

Tanz in Trance
Sonntag, 7.1. Alleppey
Die Nacht war ziemlich übel. Im Zimmer ist es sehr stickig, und mindestens ein Dutzend Mücken zerstechen mich, Irmi bleibt verschont, weil sie sich trotz der Hitze vollständig einmümmelt. Vom Juckreiz werde ich wach und erschlage massenweise von meinem Blut getränkte Plagegeister. Aber jetzt bin ich hellwach. Eine Flasche Rotwein zum Einschlafen wäre hilfreich, aber heute haben wir keinen Alkohol. Am Morgen bin ich entsprechend groggy. Kaffee gibt es im Hotel auch nicht, was meine und Irmis Laune und Fitness nicht gerade hebt. Und jetzt geht es wieder in den Scheißverkehr, was soll‘s, wat mut dat mut.
Wir kommen in Alleppey an und alles wird wieder gut, sauberes Zimmer, Veranda, 100m zum Strand, akzeptable Infrastruktur (Geschäfte, Restros), sehr freundlicher und hilfsbereiter Hotelchef, der für uns eine Backwater-Tour und einiges mehr organisiert. Eigentlich käme hier noch mehr, von Irmi aber zensiert.
Freitag, 6.1. Guruvayur
Keine sonderlich lange Strecke, aber sehr anstrengend. Es herscht reger Verkehr und ich habe den Eindruck, die Leute hier fahren noch riskanter als in allen anderen Teilen Indiens, die ich bisher kennengelernt habe. Ich denke mir, hier müssen doch ständig Unfälle passieren, und tatsächlich wenige Kilometer später liegt in einer Ortschaft ein Haufen Glas und Plastik, der gerade weggeräumt wird. Ich zähle schon lange nicht mehr die frischen Unfallreste, die ich passiere, es sind zu viele. Und dann, noch ein paar Kilometer später passiert es mir: Eine Frau steht mit ihrem Roller am linken Straßenrand. Kurz vor mir fährt sie plötzlich los, um die ganze Straße zu kreuzen und auf die andere Seite zu kommen. Bremsen und Ausweichen wie im Sicherheitstraining, aber keine Chance, ich touchiere sie leicht mit dem Gepäckträger und sie fällt um. Leichtsinnigerweise halte ich an und sofort bildet sich eine Menschentraube. Aber alle sind sich einig, dass ich keine Schuld habe, nur Irmi meint, dass ich damit hätte rechnen müssen. Na wie denn??? :-((( Die Frau hat eine kleine leichte Schürfwunde am Unterarm, bekommt von Irmi ein Pflaster und wir können weiter, gerade noch mal gut gegangen.
Was wir nicht wussten: Guruvayur ist die zentrale Pilgerstätte für Kerala mit einem angeblich 5000 Jahre alten Tempel. Der wurde allerdings zwischendurch mehrmals zerstört und kein Mensch weiß noch, was eigentlich wie alt ist. Er liegt nur 100m von unserem Hotel, aber hinein können wir nicht, es gibt einen Dress-Code: Barfuß ist klar und kein Problem, aber die Männer müssen obeb ohne und mit einem traditionellen Wickelrock bekleidet sein, die Frauen mit einem Sari. Also schauen wir nur von außen, und das ist eher unspektakulär.
Freitag, 5.1. Kozhikode
Es geht über kleine, kurvenreiche und meist gute Straßen durch den Urwald, hier „pfegt“ oder bewirtschaftet niemand den Wald, außer in der Nähe der wenigen Ortschaften, wo am Straßenrand 2 oder 3 Reihen Kaffeesträucher stehen. Je näher wir der Küste kommen, desto mehr nimmt der Verkehr zu und die Straßen werden schlechter. Und dann geht es 1000m in Serpentinen hinab zur Küste, unserem Zwischenziel Kozhikode.
Mittwoch 3.1. Kutta
Gestern hatte der Boy vom Hotel uns auf meine Bitte einen großen Topf heißes Wasser gebracht, damit ich Irmi ihren morgendlichen Nescafe machen kann, heute bringt er uns sogar einen Wasserkocher. Die Jungen hier sind ultrahilfsbereit! Heute machen wir einen Ausflug zu den Irpu-Wasserfällen ca. 600m, mitten im Jungle, und die haben tatsächlich auch in der Trockenzeit noch Wasser. Auf dem Rückweg haben wir unsere erste Polizeikontrolle: Where you from? – Germany – What are you doing here? – We are tourists – Qkay, go on. Er war offensichtlich nur neugierig! Jetzt sind wir wieder auf der Veranda und Irmi friert bei 25 Grad, zum einen sind wir hier auf rund 1000m Höhe und zum anderen haben wir seit 2 Tagen Schäfchenwolken am Himmel, die Sonne brennt nicht mehr so.
Kurz vor 9 kommt der Junge vom Hotel: Elephant is coming! Ich zweifle ein wenig, das hatte er am ersten Tag auch schon gesagt. Da hörte man ein Knacken und Krachen im Wald, aber der Elefant zog sich dann wieder ungesehen zurück. Auch diesmal hört man ihn im Wald, scheinbar mal näher, mal weiter, schwer zu lokalisieren. Gespannt warten wir eine gute Viertelstunde, dann kommt das majestätische Tier aus dem Wald, vielleicht 20 oder 30 Meter von uns entfernt. Gemächlich schreitet das Tier über die Straße, stößt mit dem Kopf das Gitter eines unverschloßenen Tors auf – den Weg kennt es wohl genau. Über dem Tor ist eine Straßenlaterne, wir sehen den Elefant jetzt in voller Pracht, aber fotografieren geht leider nicht. Ruhig trottet das Tier weiter und verschwindet langsam in der Dunkelheit. Das ist das erste mal, dass ich einen wilden Elefanten in freier „Wildbahn“ gesehen habe, und das ohne Guide oder Safari, einfach so von der Hotelveranda, wow!!!
So sieht die Szenerie bei Tag aus, wo der Elefant war
Dienstag, 2.2. Kutta
Morgens sehen wir an dem Wechsel ca. 40 – 50 Axis-Hirsche grasend vorbeiziehen.
Über den NP gibt es keine konkreten Infos, wir haben schon vorher im Netz gesucht, morgens und abends Bus-Safaris, nix konkretes, und auch in den Hotels hier nix genaues. Also fahren wir zum Eingang: Die Safaris morgens finden nicht statt, nachmittags um 2 soll es losgehen sagen die Ranger. Wir essen, kaufen ein und sind dann um 13:45 zurück, es sind schon ein paar Leute da. Ein Schild am Ticket-Schalter sagt, es geht 14:30 los, bis 16:00, um 14:15 bildet sich eine Schlange davor, wir mitten drin. Um 14:30 kommt ein relativ kleiner Bus und der Schalter wird geöffnet. Das Mädel am Schalter lässt sich unheimlich viel Zeit, um 14:45 sind wir an der Reihe, aber wir bekommen keine Tickets mehr, der Bus ist voll! Wir sollen noch eine Stunde warten bis 15:30 warten, dann kommt der Bus wieder. Tickets für den nächsten Tag kann man nicht kaufen! Wenn der Bus 15:30 wieder da ist, dann dauert die ganze Safari also 45 Minuten. Und dafür sollen wir fast 50€ zahlen? Ich bin stocksauer. Ich war sicher schon in mehr als 100 NPs, aber so schlecht organisiert und so überteuert habe ich es noch nie erlebt, habe keinen Bock mehr darauf. Aber Irmi hat so etwas noch nie erlebt, deshalb werden wir es wohl noch einmal versuchen, wir sind ja noch 2 Tage hier.
Einen Hirsch konnte ich fotografieren
Montag, 1.1. Neujahr Kutta
Wir fahren zum Nagarhole National-Park, eigentlich nur 90 km, aber durch den Park darf man nicht, außen rum sind es aber auch nur 130 km, ein Katzensprung. Booking behauptet zwar, dass alles außer wenigen superteuren Hotels ausgebucht ist, aber das glauben wir schon lange nicht mehr, der größte Feiertagsverkehr sollte vorbei sein. Und richtig, schon im ersten Homestay, angeblich ausgebucht, ist (alles?) frei und günstiger als bei Booking. Aber es ist etwas arg abgelegen, es gibt außer Wald nix, was man (ich) zu Fuß erreichen kann. Wir fahren weiter und suchen etwas anderes und Irmi ist begeistert: Wir sind zwar schon lange in den Tropen, aber hier sieht es auch wirklich so aus, üppiger Regenwald, durch den wir auf kleinen, kurvenreichen aber guten Straßen cruisen, das gefällt ihr, und mir auch. Schließlich landen wir in einem kleinen Hotel, sehr nahe dem Eingang zum Nationalpark, und auch zum Eingang eines benachbarten Parks. Preisgünstig, sehr freundliches und hilfreiches Personal, sauberes Zimmer und davor eine große Terrasse. Und das Besondere: Von der Veranda schauen wir direkt auf eine Wildwechsel für Elefanten, normalerweise zwischen 19:30 und 22 Uhr. Schon gegen 19 Uhr alarmiert uns das Personal, ein Elefant ist da, aber er wechselt nicht und zieht sich zurück, wir sehen ihn nicht. Schade, vielleicht an einem der nächsten Abende, denn Irmi ist so begeistert, will auf jeden Fall noch ein paar Tage bleiben. Dann muss ich das wohl oder übel auch ;-))).
Irmi wollte undebingt, das mal wieder ein Bild von mir in den Blog kommt, konnte sich aber nicht entscheiden, welches Bild.
Sonntag, 31.12, Silvester Mysore
Mysore isteine schöne Stadt und hat einiges zu bieten. Zuerst wollen wir zum berühmten Sri Chamundi Tempel, auf einem Hügel 1000m über der Stadt. Das altersschwache Tuc-Tuc quält sich mühsam den Berg hoch, Unfall, Stau und Menschenmassen oben am Tempel. Von aussen ist er eindrucksvoll, mit einem Turm ähnlich wie in Hampi. Von innen soll er auch schön sein, aber die Schlangen am Eingang sind enorm, darauf haben wir keinen Bock. Nun ja, während der Weihnachts- und Neujahrsfeiertage verreisen auch viele Inder, Ausländer sind kaum zu sehen, das ist nun mal so. Wir hatten daran gedacht, über die Treppen zu Fuß runter zu gehen, aber zu meinem Glück finden wir den Einstieg nicht. Also wieder Tuc-Tuc, zum Maharadscha-Palast, einem der größten und prächtigsten in Indien. Und prächtig ist der wirklich, riesig, Gold, Silber, Marmor, Alabaster, … und gleichzeitig ein Beispiel für die feudalistische Ausbeutung der Bevölkerung, ich habe bei solchen Bauwerken immer zweigeteilte Gefühle.
Dann gehen, ja, es liegt nahe beieinander, noch zu einem kleineren Palast mit einer bekannten Art Galerie. Aber die wird 5 Minuten nach unserem Eintreffen schließen, also wieder nur die Betrachtung von außen.
Abends gehen wir dann noch in ein Lokal mit so etwas ähnlichem wie einem Biergarten im 1. Stock. Silvester wird in Indien viel gemäßigter gefeiert als bei uns, aber das Lokal ist recht voll, die Stimmung und und dazu gibt es klassische indische Live-Musik. Wir trinken eine 1,5l Pitcher gezapftes Kingfisher-Bier, aber wie meistens bei uns wird es auch heute nicht sehr spät und wir latschen zurück ins Hotel, vorbei am voll erleuchteten Maharadscha-Palast.
Der Tempel, aus Hampi geklaut, und den Eifelturm aus Paris?
Ich vermute, der hat’s geklaut!
Maharadscha-Palast – opulente Pracht
„Reserve“-Palast
Silvester
Maharadscha-Palast bei Nacht
Samstag, 30.12. Mysore
Hier findet vom 23.12. bis zum 1.1. das Winter Festival statt, und heute gibt es in diesem Rahmen ein Straßenfest, und da wollen wir hin. Wir kommen nach problem- und ereignisloser Fahrt am frühen Nachmittag an. Nach einer kurzen Pause ziehen wir uns um und los geht‘s, unser Hotel ist direkt im Zentrum, es ist nicht weit. Eine der großen Hauptstraßen und umliegenden Nebenstraßen sind für den Verkehr gesperrt – die daraus resultierenden Staus haben wir schon auf dem Weg zum Hotel zu spüren bekommen. Der Festbetrieb ist in vollem Gang, abertausende Menschen wälzen sich die Straßen entlang. Es gibt mehrere Musikbühnen, Trommler, kostümierte Tänzer, und, und, und, natürlich auch die üblichen Info- und Fressstände. Es ist schön und interessant, aber mir reicht es nach einer Stunde: Es ist ein enormes Gedränge, so dass ich die Darbietungen und eingeschränkt genießen kann. Deshalb ziehen wir weiter zum großen Markt, auf mehreren 100 qm, teilweise in einer großen Halle ist ein Stand neben dem anderen: Gemüse, Obst, Textilien, Haushaltswaren, Schmuck und vieles mehr, vor allem aber viel Parfüm, Räucherstäbchen und Schminkfarben, ein unglaubliches Aroma aus all diesem liegt in der Luft.
In der Nähe des Hotels essen wir und schlafen dann nach einem ereignisreichen und schönen Tag.


Straßenfest in Mysore



Markt von Mysore
____________________________________________________________________________________________
Wetter: Geregnet hat es bisher nur an einem Tag, als der Zyklon Ockhi Mumbai streifte, aber dafür recht heftig und praktisch den ganzen Tag. Ansonsten haben wir immer so um 35 Grad in Rhajastan und an der Küste, nachts dann 10 Grad weniger. Im höher gelegenen Landesinneren ist es 5 – 10 Grad kühler. Fernsicht hat man nie, denn es ist immer ganz, ganz leicht diesig, das ist schade für die Fotos, aber man bekommt keinen Sonnenbrand.
_______________________________________________________________________________________________
Freitag, 29.12. Arsikere
Heute ist unser Urlaub zur Hälfte vorbei. Wir fahren weiter Richtung Mysore, aber das ist an einem Tag nicht zu schaffen, also noch eine Zwischenstation, in Arsikere. Ansonsten ereignet sich nichts besonderes.
Donnerstag, 28.12. Sagar
Heute verlassen wir Goa. Goa ist schön, keine Frage. Aber den Hype, den manche Leute darum machen, verstehe ich nicht. Schöne Palmenstrände und Regenwald gibt es auch anderswo, in Indien und sonst auf der Welt. Und von der Drogen/Alt-Hippie-Kultur in Südgoa oder der Techno-Szene im Norden haben wir wenig bis nix bemerkt. Vielleicht waren wir auch nur immer zur falschen Zeit am falschen Ort. Wir fahren also wieder in die Berge, vorbei an den Jog-Falls, die im Monsum spektakulär sein sollen, aber der ist zum Glück lange vorbei. Unsere schöne aber auch lange Fahrt endet im Städtchen Sagar, nur ein Zwischenstopp.
In den West-Gaths

Die Jog-Fall-Schlucht
Und hier die Wasserfälle in der Trockenzeit!??? Kein Fake, alternative Fakten!???
Mittwoch, 27.12.
Heute wollen wir ein wenig die nähere Umgebung erkunden. Wirklich interessante Ausflugsziele sind zu weit weg, deshalb fahren wir etwas durch die Wälder und gehen in den nächstgrößeren Ort einkaufen. Wir essen in einem kleinen Lokal und probieren mal wieder etwas Neues aus. Überhaupt essen wir ständig neue Sachen, fast immer vegetarisch, meistens ist es sehr lecker, aber ich habe den Überblick längst verloren. Den Abend verbringen wir dann wieder gemütlich auf der Veranda.
_________________________________________________________________________________________________
Mopedtouren: In Indien schaffen wir (I+U) bisher bei durchschnittlichen Bedingungen ca. 30 km/h, inklusive KURZER Pinkel- oder Zigarettenpausen, gelegentlich ein schneller Kaffee oder ein Aussichts-/Fotostopp und natürlich tanken, kein Problem, Tankstellen gibt es genügend. Deshalb fahren wir Tagesetappen von rund 200km, +/- 50 km. Das sind dann 7 Std, +/- 2 Std, typischerweise von 10 Uhr bis 17 Uhr, bei langen Etappen oder wenn wir vermuten, die Strecke ist schwierig, dann starten wir entsprechend früher, hart für Irmi. „Durchschnittliche Bedingungen“ sind natürlich schwer vorhersehbar, vor allem der Straßenzustand und Verkehr (LKW-Kolonnen auf Passstraßen), deshalb halte ich normalerweise ein Sicherheitspolster vor, bin halt ein Angsthase.
___________________________________________________________________________________________
Shopping in Indien: Ich habe in den letzten 2 Monaten 2 Supermärkte gesehen, Irmi sogar 3, jeder ungefähr ein Drittel so groß wie ein durchschnittlicher Aldi. So etwas ist in Indien nicht angesagt. Man kauft ein in kleinen Geschäften, 5 -25 qm, über den Tresen. Eventuell gibt es noch einen Lagerraum gleicher Größe hintendran. Für den Mitteleuropäer ist das natürlich äußerst umständlich, beginnend mit der Sprachbarriere: Keineswegs jeder Inder spricht Englisch, und selbst wenn, indisches Englisch ist fast so etwas wie eine eigen Sprache. Und die Auswahl ist natürlich auch sehr eingeschränkt, was soll man auch auf 10 qm oder so haben. Und man muss für verschiedene Einkaufswünsche in verschiedene Geschäfte, oft sogar in unterschiedliche Stadtviertel, denn es gibt das Gebiet für, Autos und Zubehör, für Schuhmacher, für Juweliere und Uhrmacher, für Textilien, usw. . Ich habe keinen einzigen der Riesenfachmärkte für Elektronik wie Saturn, oder Baumärkte wie Obi, Oder Möbelhäuser wie XXXL Lutz oder Kaufhäuser wie Karstadt gesehen. Das nervt den auf Effektivität getrimmten Mitteleuropäer. Aber es hat auch Sinn und Charme: Es hält die Kapitalkonzentration (noch) auf, bietet vielen Menschen einen Lebensunterhalt, und der direkte Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer erfolgt quasi zwangsläufig!!!

Typischer Brandschutz an einer indischen Tankstelle
Äu weia – das ist schade, dass ihr abbrechen müsst.
Gute Heimreise von
Thorsten
Hallo nochmals, liebe Gastbeitragsleistenden!
Vielen Dank abermals für die interessanten Einblicke. So viele Infos konnten wir in den wenigen Wochen vor Ort nicht in Erfahrung bringen.
Kleiner Vermerk auch zum Kontext von Thorsten:
Ja, Sara & Hurgl, wo sind denn die journalistischen Raffinessen der anderen Mittelfranken??
Gruß an alle und möglichst eine angenehme und erhellende Zeit!
Macht neugierig auf das Land, danke für den Bericht
Wow, so ne Schwalldusche find ich super, das Foto dazu top. Sowas kannst du zum Mopett- Säubern brauchen, bring doch so einen Dickhäuter mit, dann macht auch dir das Putzen Spaß!
Ein elefantenneidischer
Thorsten
PS: @ Sarah&Hurgl: hören wir von euch auch mal wieder „a weng a Gschmarri“???
Uli, was hast du da für eine interessante Mopettjacke gefunden! Letzter Schrei in der Provinz oder ist das in der Großstadt angesagt? Gabs die nicht in Bollywood-Rosa? Schwarzfärben-Vorschlag von Volkmar nicht schlecht – äääh, aber Rosa ist sicher einfacher zu haben – wie wärs damit: Sprühdosen-Verschönerung wie damals Afrika-Aktion in Gold (du erinnerst dich?).
Danke für die köstlichen Berichte – passt auf euch auf!
Grüße von Thorsten
Was sind denn die bunten Pulverkegel bei den unteren Fotos „Markt von Mysore“? Falls das Färbemittel für Stoffe sind und es auch ein schönes tiefes Schwarz gäbe wäre ich an einem Kilo interessiert ;). Viele Grüsse, Volkmar