2.7.2013 Sevastopol – Ay-Petri – Sevastopol km 207667
Sevastopol hat etwas über 300 Tsd Einwohner, aber die Fläche ist riesig, größer als Moskau. Der Morgen ist grau und kalt, nur 20 – 25 Grad. Maik besticht die Köchin, dass das Frühstück erst verspätet kommt, so starten wir erst um 10, gerade als es anfängt zu regnen, so hat er es gewollt. Er fährt vor und geschickt vermeidet er jede helle Stelle am Himmel, folgt genau der dunkelsten Wolke, nur um Uli zu ärgern, das gibt er offen zu! Wir kommen nach 70 km Regen in Miskhor an und Uli stellt fest, dass der größte Teil seiner Gesichtsbräune wohl Dreck war, der jetzt abgewaschen ist, jetzt ist er wieder leichenblass. Von Miskhor wollen wir die Seilbahn auf den Ay-Petri nehmen.
Aber wir finden die Talstation nicht und die Einheimischen weisen uns in viele möglichen Richtungen, nur nicht die richtige, wahrscheinlich alle von Maik gekauft. (Uli braucht ein Schuldigen heute) Schließlich findet Uli den Weg, aber als er nach anstrengendem Fußmarsch dort ankommt, hat die gerade geschlossen. Angeblich ist der Wind zu stark, das hat Maik genau getimet! Wir trinken Kaffee und Latschen zurück, jetzt wollen wir mit Moped auf den Berg. Gerade als wir losgefahren sind, wird die Seilbahn wieder in Betrieb genommen, welch ein perfider Hohn. Die Fahrt geht von fast Meereshöhe auf gut 1200 m. Am Anfang ist alles gut, trockene Straße und Kurve an Kurve, aber dann wird es nass, Laub und Dreck auf der Straße, und Autos, wenige Gelegenheiten zu überholen.
Je höher wir kommen, um so nasser, kälter und windiger wird es. Aber oben können wir eine Aussicht bis in die Unendlichkeit genießen. Auf dem Rückweg fährt Uli vor, fährt unter dem Regen durch, bis auf ein paar wenige Tropfen kommen wir trocken hach Sevastopol. Dort führt wieder Maik, und der hat sein Navi auf die kürzeste Strecke programmiert: Schlamm-Offroad durch die Baracken von Sevastopol, pure Schikane! Jetzt reicht’s, der Rosenkrieg beginnt, heute Abend wird Uli Maik mit Bier und Wodka abfüllen, und den dann wehrlosen gut durchkitzeln! 😉
3.7.2013 Sevastopol – Bakchysarai – Sevastopol km 207798
Heute sind wir erst spät los, ein paar Wartungstätigkeiten an den Mopeds waren angesagt. Wir fuhren nach Bakchysarai, um uns einen Khan-Palast der Krim-Tartaren anzuschauen.
Das Wetter war heute ganz gut, nur nachmittags eine Stunde ein Gewitter, und das genau zu dem Zeitpunkt, als wir uns die Höhlensiedlung von Cufut Gale besichtigen wollten. Den Weg dahin zeigte uns das Navi. Wenn man den kürzesten Weg einstellt, dann ist es verständlich, wenn es über kleinste Strassen und Wege führt. Wir hatten den schnellsten Weg gewählt, und trotzdem war eine abenteuerliche Strecke über Stock und Stein, an einigen Stellen hätte nicht mal ein Kleinstwagen da durch gepasst.
Bei Regen, mit Crosstiefeln und Mopedkleidung hatten wir jedenfalls keine Lust, in den Bergen herum zu kraxeln, also schauten wir uns die Höhlen nur aus der Ferne an, dann ging es weiter über – siehe Foto, wer kann das aussprechen?
Zurück im Hotel entschlossen wir uns, einen Tag länger auf der Krim zu bleiben. Morgen soll das Wetter auch richtig gut werden. Dadurch verschiebt sich unser Reiseplan, Maik meint, dass wir dass aufholen, wenn wir auf der Rückfahrt längere Etappen fahren, aber wir werden wohl einen Tag später ankommen, das weiß er nur noch nicht, hihi!
4.7.2013 Sevastopol km 207842
Jemand von uns wollte den Blog für heute schreiben, hat es aber nicht getan. Deshalb gibt es keinen. Es gibt ja auch nix zu berichten, wir sind in die Stadt gefahren, haben sie uns angeschaut, sind nach dem üblichen Nachmittagsregen noch mal kurz an die Küste gegangen. Aber Bilder gibt es:
5.7.2013 Sevastopol nach Mykolayev km 208276
Na klar, das erste mal seit Tagen, dass kein Tropfen Regen fällt, blauer Himmel und ein paar Schäfchenwolken, brütende Hitze, und wir verlassen die Krim, die hat uns einfach nicht lieb. Die Strecke ist langweilig, lange, gerade Strecken wechseln mit gelegentlichen Ortsdurchfahrten, manchmal mit Staus in der Hitze.
Unterwegs sind uns sogar ein paar mal Motorradtouristen entgegengekommen, ähnlich bepackt wie wir, und 2 Slowaken auf dem Weg zur Krim haben wir beim Mittagsimbiss ( ein Riesenfleischspieß genug für 2, dazu Brot und 2 Kaffee für gut 3€ ) an der Strasse getroffen. Im Hotel hat sich Maik dann eine professionelle Massage für kleines Geld gegönnt, er ist total begeistert, während Uli spazieren und einkaufen war und das Hotel für die nächsten Tage per Internet gebucht hat. Leider hatte er seine Brille nicht auf und hat Unsinn eingegeben, wenn die Korrektur nicht klappt, dann kostet das einen Hunni. Guck ma mal, dann sehn ma schon.
Trallalala, wir haben immer noch gute Laune, wenn das so bleibt bis wir wieder zurück sind, dann werdet ihr ganz schön darunter leiden, zumindest Uli kann da unerträglich sein! 😉
6.7.2013 Mykolayev nach Odessa
Das ist nur ein kurzer Trip, keine 150 km, blauer Himmel, kein Wölkchen. Die Präsenz der Verkehrspolizei ist in der Ukraine deutlich geringer als in Russland, aber es werden sehr viel mehr Radarkontrollen gemacht. Verkehrswidriges Überholen dagegen scheint normal zu sein und niemanden zu interessieren, egal ob Schild, durchgezogene Linie, rechts oder links. Wir haben es nicht darauf angelegt und werden es zukünftig möglichst vermeiden, aber mindestens 2, 3 mal haben wir direkt vor den Augen der Bullen falsch überholt, das ließ die völlig kalt.
Ulis Fehlbuchung am Vortag hat keine Konsequenzen, das Hotel ist OK, mit hübscher, älter Ausstattung, das Personal nett und hilfsbereit. Kurz nach 11 sind wir da, einchecken, brunchen und dann in die Stadt.
Odessa wirkt lebhaft, mit alten, schönen Straßenzügen, leider öfter etwas bröckelnde Fassaden. In der größten Tageshitze ziehen wir da durch, Kirchen, Moscheen, Synagoge, Markt, Park, Bahnhof, am Spätnachmittag brauchen wir dringend eine Siesta im klimatisierten Hotelzimmer.
Dann noch mal raus, es ist immer noch sehr warm, Abendessen im Strassencafe (fast jedes Café in Russland oder Ukraine ist auch Esslokal ) und dann ein Bierchen am belebten Platz zwischen Stadtgarten und Einkaufsmeile, das war’s.
7.7.2013 Odessa
Nachdem Maik seinen Tee ans Bett bekommen hat, von Uli, ging’s an die Planung der Stadtrunde. Schnell erledigt. Bei 28 Grad und wolkenlos ging’s um 9.30 Uhr los. Das Wachsfigurenkabinett hatte zwar etliche Figuren stehen, aber die Ähnlichkeit mit den lebenden Personen war in großen teilen der Fantasie des Besuchers überlassen. Da die Straßen noch sehr menschenleer waren, konnte man die schönen Fassaden bewundern.
Die potjomkinische Treppe sieht auf den Reiseführerfotos besser aus als in Realität. Schaut euch lieber den Film von Sergej Eisenstein an: „Panzerkreuzer Potjomkin“, da lernt man vielleicht noch was dabei?
Zum Filmzeitpunkt hieß die Treppe auch noch „Große Treppe“ und nicht nach dem Zarenhöfling Graf Potjomkin. Naja, trotzdem ein Muss die Treppe hoch zu schleichen. Zumindest für Uli, Maik ist natürlich wie eine Gazelle hinauf. Aber oben wäre er leichte Beute für Tiger gewesen, denn er fleuchte und keuchte. 160 Stufen, die unterste Stufe 21 Meter breit, die oberste Stufe 13 Meter breit. Das verstärkt die optische Länge der Treppe, ist aber nicht allzu lang. Der Meeresbahnhof liegt gleich gegenüber der Treppe. Von dort hat man einen guten Blick über den Hafen.
Salat, Pizza und Bier halfen uns den Weg zum Hotel zu bewältigen, für eine Siesta in der Mittagshitze. In der Früh ist in ganz Odessa der Strom aus gefallen. Überall an Kaffees und Restaurants stehen in einiger Entfernung Stromaggregate für die Klimaanlagen, Fernseher, Musikanlagen und Küche, unser Hotel hat sowas nicht. Erst nach 8 Stunden gibt es wieder Strom. Man kann sich kaum vorstellen was inzwischen alles passiert ist: Stecken gebliebene Aufzüge, nicht zu öffnende elektrische Türschlösser, ausgefallene Kühlanlagen in den riesigen Fisch- und Fleischmärkten, … Und vor allem: Ulis Bier ist warm geworden!
Abends machen wir noch einen Spaziergang, zunächst auch mal auch in die „normalen“ Strassen Odessas. Essen und trinken kostet hier nur die Hälfte, und man sieht hier auch sehr viele Fassaden, und Menschen, die mehr oder weniger fertig aussehen, schade drum. Zum Schluß dann noch ein Abschlussbier auf der Flaniermeile, wo wir dann wieder die Schönheiten genießen.
8.7.2013 Odessa nach Uman km 208775
Wir verlassen Odessa, die Stadt, die uns auf unserer Reise bisher am Besten gefallen hat. Sie hat zwar kaum herausragende Sehenswürdigkeiten, aber sie und die Menschen hier haben einfach Flair. Und Maiki hat ganz viele Sachen aus seiner Heimat gesehen, Wartburg, W50 (Autos???) und sogar Kräne im Hafen, da strahlt er!
Heute geht es auf die Autobahn gen Norden. Das Land ist flach oder leicht hügelig, überall Felder, nur gelegentlich unterbrochen von Wiesen oder Waldstücken. Riesige Felder mit Sonnenblumen und verschiedene Getreidesorten. Die Kornkammer Europas, mit eigenen Augen gesehen.
Später geht es dann auf die Landstraße, wir besuchen das Museum für strategische Atomwaffen. Ehemals 43. Raketenbasis der Raketendivision „Unterer Dnepr“. Es ist untergebracht in einer echten, ehemaligen Raketenbasis. Die alten Anlagen funktionieren noch, natürlich ohne die Waffen. Wir bekommen eine Führung, fahren mit dem Aufzug in die tief unterirdischen Kommandostand und können eine Pseudoalarm auslösen.
Viel Hightech und gigantische Maschinen, beeindruckend und beängstigend. Man kann nur hoffen, dass das nie zum Einsatz kommt. Was man mit diesem Aufwand alles sinnvolles hätte anfangen können. Dann ist es nicht mehr weit nach Uman, ein nettes Provinzstädtchen. Wir finden recht leicht ein Hotel, äußerst günstig und seit langem das erste mal ohne Internet-Vorabbuchung, denn da haben wir nix gefunden, Provinz eben. Und die Preise sind auch entsprechend: wir gehen Lecker Essen, 2 halbe Bier, 2 große Schüsseln Suppe und 2 fleischige Hauptgerichte kosten 8 €. Danach ein Bier in ner Kneipe an der Hauptstraße, und da verlangen die „Halsabschneider“ doch tatsächlich fast 70 Cent für die Halbe! Und Uli leistet sich trotzdem 2 davon!
9.7.2013 Uman nach Kiew km………..
Uman hat uns auch gefallen. Hmm, allmählich wird das „gefallen“ inflationär, ob das am Urlaub liegt? Aus dem Hotel haben wir ausgecheckt, aber einen Teil des Gepäcks dort gelassen. Dann haben wir einen langen Spaziergang im Sofietsky-Park gemacht, eine wirklich schöne Anlage.
Sehr bekannt in der Ukraine, bzw. in der ganzen ehemaligen Sowjetunion.
Bevor die Sonne richtig heiß wurde waren wir wieder am Hotel, haben unsere Sachen geholt und dann ging es auf die Bahn Richtung Kiew. Ziemlich langweilig, bis kurz vor Kiew. Da hatte nach der Pause Ulis Moped fast keine Ströme mehr, nur ca 7 schwache Volts. Maik gab Starthilfe und so schafften wir die letzten 50 km bis zum Hotel. Mit Hilfe männlicher Intuition und Rosa Maggi beschlossen wir, dass es nur die Batterie sein kann, orderten bei einem freundlichen am Hotel irgendeine neue Batterie. Die soll morgen früh geliefert werden. Mal sehen ob der Mann mit der Batterie und dem Wechselgeld Morgen auftaucht. Und ob die dann passend gemacht werden kann. Und ob es auch tatsächlich die Batterie war, die den Defekt verursachte. Anyway, wir haben Spaß, Maik tanzt im Hotelzimmer und wir trinken Wodka, wie richtige Russen.
Das Hotel ist super, sauber, absolut voll ausgestattet, großes Zimmer, usw., das hatten wir erfreulicherweise ja schon öfter, aber die 3 Mädels an der Rezeption sind einfach unglaublich hilfsbereit. Ich überlege gerade, was es Schlechtes gibt, ach ja, das gute, ukrainische Bier ist gut doppelt so teuer wie in Uman, fast 1,50 €, und in Touristen-Etablissements sogar noch mehr! Wir haben Probleme, was?

































