Russland Teil 3

12.6.2013 Nizhny nach Kasan km 203348

Wir sind in Kazan, der Hauptstadt der Tartaren und die Multi-Kulti-Stadt Russlands. Damit haben wir momentan unseren östlichsten Punkt erreicht, ab jetzt wollen wir der Wolga nach Süden folgen bis nach Astrachan am Kaspischen Meer.

Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle, wir sind gegen 10 bei über 30 Grad gestartet, und es wurde nicht kälter, das Navi leitete uns dann zielgenau zum erwählten Hotel: Da haben wir es dann richtig krachen lassen: Es ist das bisher teuerste Hotel unserer Reise, ca 70€ pro Tag für 2, ohne Frühstück. Aber es bietet einen Waschservice, und den brauchten wir jetzt, da wir unterwegs keine Waschsalons o.ä. gefunden haben. Im Hotelrestaurant ging die Prasserei dann weiter. Da wir den ganzen Tag noch nichts, bzw. nur Frühstück gegessen hatten, gönnten wir uns vor dem Hauptgericht jeder noch ne Suppe. Und durch einen Kommunikationsfehler kamen dann 3 statt 2 Hauptgerichte, damit war die Völlerei komplett!

13.6.2013 Kasan

Der Tag in Kasan begann mit einer Taxifahrt zum Kreml. Da der Kleine Maiki den Großen Uli nicht soweit tragen kann. Dort schauten wir uns eine der größten, wenn nicht die größte, Moschee Russland’s an. Die Besonderheit im Kreml von Kasan ist das normale Nebeneinander von Islam und Christentum. Nur einen Steinwurf entfernt steht im Kreml eine orthodoxe Kirche. Denn bis ins 16. Jahrhundert war hier das Kasaner Khanat. Dann hatt sich das Moskovieter Reich Kasan einverleibt.

Danach sind wir die Kreml-Strasse bis zur tartariche National Bibliothek gelaufen und haben einige schöne alte Fassaden gesehen. Wir wollten uns die tartarische National Bibliothek ansehen. Leider geht das nur in einer Gruppe und Voranmeldung, Pech gehabt. Denn die einzelnen Räume sind nach den jeweiligen literarischen Themen gestaltet. Nach ein paar Fotos zu urteilen, muss dies sehr interessant sein. Auf dem Rückweg zum Hotel erkundeten wir die Umgebung und holten uns noch was zum futtern auf dem Hotelzimmer.

14.6.2013 Kasan nach Tol’yatti km 203710

Etwas zu viel Bier am Abend, und nur einen selbst gemachten Kaffee auf dem Zimmer, weil das Hotelfrühstücks unverschämt teuer war – der Start verlief etwas zäh. Auf dem Weg aus Kazan wurden wir auf der 4-spurigen Magistrale von der Polizei herausgewunken, unsere erste Kontrolle. Der Polizist wollte alle möglichen Dokumente und schaute sie sich genau an. Dann erklärte er, er müsse sie prüfen. Dazu spazierte er einfach auf die andere Seite der Bahn, indem er die Autos mit einem Zeichen seines Stocks zum Halten zwang. Dort wurde alles von 4 Beamten eine Viertelstunde lang geprüft, dann kam der erste auf dem selben Weg zurück, gab uns die Papiere, alles in Ordnung. Wir führen weiter, und keine 3 km später wurde Uli von 2 Polizeimotorrädern mit Blaulicht und Sirene überholt, sie winkten Uli scharf nach rechst in eine Ausfahrt um ihn da zu stoppen. Aber gleichzeitig wollte ein Auto die Ausfahrt ganz normal nutzen, es mußte heftig Bremsen und kam quietschend wenige Meter hinter Uli zum Stehen. Das war knapp!Die Bullen waren völlig unbeeindruckt, winkten das Auto weiter und wollten Ulis Papiere. Der erklärte zwar radebrechend, dass er vor weniger als 5 Minuten erst überprüft wurde, egal, es wurde erneut geprüft, zum Glück nur kurz. Uli konnte weiter und wenige Kilometer weiter wartete Maik, der nichts gemerkt hatte und der sich schon Sorgen machte. Nach kurzen Erklärung ging es weiter, und nach nur 2 km kam die nächste Kontrolle, diesmal Radar. Wir standen noch so sehr unter dem Eindruck der vorangegangenen Ereignisse, dass wir ausnahmsweise nicht zu schnell waren und durch kamen. Die Kontrollen hatten auch ihr Gutes: wir wissen jetzt ziemlich sicher, das unsere Papiere OK sind, wir kennen den Set der Papiere, die die Bullen wahrscheinlich interessiert und haben sie als Set zusammen, und auch die Morgenmüdigkeit war durch den Adrenalinausstosch verflogen.

Von Kasan nach Tol’yatti führt keine Magistrale, also ging aus der Stadt und dann auf Straßen 2. Ordnung. Diese sind schmaler, der Verkehr geringer und die Schlaglöcher häufiger und tiefer, zum Glück nur auf einigen Abschnitten. Aber da hätte es mir wohl keinen Spaß gemacht, ein Sportmoped mit angebautem Schneepflug vor dem Motor zu fahren. Auf diesen Strecken ist es auch schwieriger, der Weg zu finden, klaro. Mit Hilfe der Elektronik, Karten und Nachfragen hat es doch ganz gut geklappt. Und wo auch immer wir anhielten, waren wir eine Attraktion.

War in den vergangenen Tagen die Elektronik in den Städten gelegentlich ausgefallen, so ärgerte sie uns diesmal besonders gemein: sie führte uns an die falsche Stelle! Aber sie hatte keine Chance gegen Maik und Uli, wir fanden unser kleines Hostel, es hat allerdings gedauert. Eine ganz normale Wohnung umgewandelt zum kleinen Hostel. Nach alter russischer Tradition mussten wir am Eingang die Stiefel ausziehen – es war ein heißer Tag in Cross-Stiefeln – sie sind selbst Schuld. Das Hostel war ganz nett, nur die Dame der Nachtschicht war etwas mürrisch und die Lebensmittel im Kühlschrank waren zu neuem Leben erwacht.

15.6.2013 Tol’yatti nach Samara (über Schiguly-Berge) km 203854

Tol’yatti ist OK als Übernachtungsstop, hat aber keine Sehenswürdigkeiten, nicht mal nen Kreml. Nach Samara sind es nach Navi nur knapp 100 km, wir brachen trotzdem schon gegen halb acht auf, um uns in Samara noch am Nachmittags was anzuschauen. Die Strecke über die Schiguli Berge (300 m Hügel 🙂 ) ist nicht die Hauptverbindungsstraßen zwischen den Städten, sah aber interessanter aus. Und zunächst war es auch richtig relaxt: gutes Wetter, kleine Strassen mit gutem Asphalt und Abweichungen von der Gerade, die Norddeutsche gar als Kurve bezeichnen würden – aber diesbezüglich wurden wir in den letzten Tagen nicht verwöhnt und freuten uns.

Doch dann war Schluß damit, aus Strassen wurden schlagartig Feld- und Waldwege. Insgesamt ca 35 km, davon ungefähr 10 km richtig heftig. Spurrillen so tief und eng, dass Ulis Koffer öfters aufsetzten. Für Maik war es das erste mal in so einem Gelände mit voll beladenem Moped, und er fragte ein paar mal, ob es nicht besser sei umzudrehen, aber er machte es richtig gut. Trotzdem gingen wir beide ein paar mal in die 90 Grad Schräglage, es ist aber nix passiert. Es hat richtig Spaß gemacht, war aber auch anstrengend, vor allem Uli brauchte gegen Ende immer wieder kurze Pausen, der alte Sack wird einfach nicht mehr jünger.

Am Ende der Waldwege folgte noch ein kurzes Stück Asphalt, dann waren wir am Fährhafen. Die Fähre hatten wir um ein paar Minuten verpasst, jetzt müssten wir 2 Stunden OHNE Schatten bei 35 Grad IM Schatten warten. Danach 1 Stunde Fährfahrt über die Wolga, noch ein paar Kilometer durch die Stadt, und gegen halb 8 nach 12 Stunden waren wir am Hotel, wo eine Zeitreise ca. 30 Jahre zurück in die Vergangenheit begann:

Im Hotel „Sowjetskaya“ ist die Zeit stehen geblieben.

Ein Bau mit dem besonderen Charme des späten Sozialismus, anscheinend ausschließlich bewohnt von Arbeitern aus den sozialistischen Bruderstaaten. Und auch die Bürokratie funktionierte noch: Ohne Registration für Samara wollte uns die Rezeptionistin kein Zimmer geben. Mit Hilfe eines deutsch sprechenden Tschechen konnte sie dann doch überredet werden, uns für eine Nacht aufzunehmen. Für nur 23 € erhielten wir ein Zimmer, 2 Abendessen und 2 Mal Frühstück, alles war völlig OK, naja, die Toiletten waren eher mäßig. Und alle waren ausgesprochen freundlich, auch die Rezeptionistin. Wir wären gerne noch einen Tag geblieben, so verpassten wir die Sehenswürdigkeiten Samaras: die große Nationalgalerie, den nie benutzten Stalinbunker, wichtiger noch die Besichtigung der Schigulibrauerei mit gezapftem Bier am Wolgastrand und vor allem die schönsten Mädchen Russlands – sagt der Reiseführer.

16.6.2013 Samara nach Saratov

Von der Fahrt nach Saratov gibt es wenig zu berichten. Das übliche, Russen in Autos und am Straßenrand winken uns begeistert zu, bei Pausen werden wir mit Fragen bombardiert, verstehen kaum die Hälfte, aber eines schon: Die beiden Deutschen sind verrückt, wie kann man so weit fahren, und dann ausgerechnet hier Urlaub machen??? Zu den Strassen hätte 007 gesagt: nicht gerührt, sondern geschüttelt, und das heftig. Der Asphalt-Flickenteppich geht ganz schön auf das Material und die Knochen, aber alles hat gehalten, noch ;-).

          

Kurz vor Saratov geht es noch durch die Orte Marx und Engels, und um halb 5 waren wir im Hotel Welle, direkt an der Wolga. Jetzt essen und trinken wir in einem Strandcafe und genießen den Abend.

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