Allgemeine Infos, Stand September 2013:
Wir sind in knapp 7 Wochen ungefähr 10 800 km fahren. Als grobe Route: Von Nürnberg nach Berlin, Warschau, Minsk, Smolensk, Moskau, Kazan, Samara, Volgograd/Stalingrad, Astrachan, Dschugba, Sevastopol, Odessa, Kiev, Rivne, Ostrava, Prag zurück nach Nürnberg.
Visum
Für Belarus uns Russland brauchten wir ein Visum, und das Durchreisevisum für Belarus bekommt man nur, wenn man das Visum für Russland schon hat. Das Visum für Belarus kostet ca. 60 € das für Russland gar 110 €. Beide Visa stellen viele, zum Teil etwas schwierige Fragen, und vor allem sind entweder Einladungen oder Hotelbuchungen Voraussetzung. Also insgesamt recht kompliziert. Deshalb haben wir die Hilfe eines auf Osteuropa spezialisierten Reisebüros (http://www.russland-travel24.de) in Anspruch genommen. Die helfen bei den Fragen, erledigen das mit Einladungen und sind der Kontakt für die Botschaften. Und das ganze kostet wenig und man bekommt noch nützliche Tipps für die Reise. Beide Touristenvisa gelten 30 Tage, das kann für Russland knapp sein, abhängig von der Tour die machen machen will. Oder man nimmt ein anderes Visum, was länger gültig ist. Wie z.B. ein Geschäftsvisum. In der Ukraine braucht man als EU-Bürger kein Visum, bis 90 Tage im Jahr. Für Polen und Tschechien braucht man kein Visum.
Krankenversicherung
Belarus erkennt keine ausländischen Krankenversicherungen an, die muss man an der Grenze abschließen, aber sie kostet nur 4€ pro Person. Für das Russland-Visum braucht man eine Reisekrankenversicherung, eine Liste steht im Netz.
Fahrzeug-Angelegenheiten
Als Fahrzeugversicherung reicht die grüne Karte, aber manche Versicherungen streichen Länder, wie Belarus oder Russland, raus. Manchmal hilft verhandeln mit der Versicherung, ansonsten bekommt man eine Versicherung nahe der Grenze. So brauchten wir eine für Russland, zum Preis von 27,- € für einen Monat.
Strassen-Verkehr
Wir hatten von Autobahnen, über Fern-, Land- und Dorfstrassen, bis hin zu Feld- und Waldwegen und als Krönung auch richtig schönes Gelände (Schiguli-Berge). Magistralen (Autobahnen) ca. 5000 km und Gelände ca. 500 km. Der Rest von 10.800 gefahrenen Kilometern verteilt sich auf die restlichen Strassentypen, die von sehr neu bis sehr abenteuerlich waren. Magistralen (Autobahnen) meist 4-spurig, im Raum Moskau bis zu 10 Spuren, manchmal aber auch nur 2-spurig, mit 1-spurigen Baustellenverengungen, an denen sich der Verkehr kilometerlang staute. Mit dem Moped kommt man da normalerweise rechts vorbei, aber vermutlich ist das nicht ganz legal, scheißegal ;-). Jedenfalls waren die meisten PKW- und LKW-Fahrer Motorradfahrern gegenüber rücksichtsvoll. Die Fahrbahndecke genügt natürlich meist nicht höchsten westeuropäischen Ansprüchen, aber mit einer Enduro oder Reiseenduro ist das easy. Auch für Tourer oder Sportmaschinen (russische Motorradfahrer sind hart) ist das machbar, man wird wohl auf einigen Abschnitten etwas mehr durchgeschüttelt und die ärgsten Unebenheiten (Löcher für ein halbes Vorderrad) sollte man besser umfahren, aber bei konzentrierter Fahrt ist das kein Problem. Es wird aber sehr viel gebaut, ist eben ein riesiges Land mit enormen Entfernungen.
Wichtig: Man sollte nicht in der Nacht mit dem Motorrad auf den Strassen unterwegs sein. Denn, wenn man ein Loch übersieht, ist das kein ungefährlicher Spass.
Den Verkehr im 12 Millionen Moloch Moskau fanden wir nicht schlimmer als in vielen anderen Metropolen, nur auf einige wahnsinnige Raser mit weit über 100 km/h muss man aufpassen, meist sind es Motorräder.
Magistralen:
Noch ein paar Worte zu den Magistralen. Nach unseren Erfahrungen sind sie nur westlich von Moskau vier- oder mehrspurig. Östlich sind höchstens in der Nähe großer Städte mehr als 3-spurig, meist wie Bundesstraßen 2-spurig, gelegentlich eine 3. Zum Überholen. Es geht durch geschlossene Ortschaften mit entsprechender Geschwindigkeitsbegrenzung, innerorts und außerorts Zebrastreifen und Kreuzungen mit und ohne Ampeln. Der letzte Satz gilt auch für die westlichen großen Magistralen. Beim ersten Mal, überrascht ein stehender blinkender LKW auf der linken „Autobahnspur“ sicher, man gewöhnt sich aber daran. Auf den Überlandstrassen muss man mit allem rechnen. Es kann auch mal passieren das der Belag von normal auf nicht vorhanden sofort wechselt. Dann hat man eine wunderbare Wüstenstrasse, als Ersatz für die gerade gebaute Strasse, rechts oder links entlang. Super.
Preise:
Die sind für einen Konsum-Terroristen wie Uli prima: Ein Kilo Brot und ein Liter Benzin ca. 0,70 €, ein paar Cent mehr für eine Schachtel Kippen, das Bier auch so, im Laden, im Restaurant 2 – 3 €. Kaffee an der Raststätte, oder in den kleinen Bistros in ebenso kleinen Ortschaften 0,5 – 1 €, meistens löslicher Kaffee. Die teuerste Übernachtung hat gut 50 € für 2 Personen, die günstigste 23 €, letzteres inklusive Abendessen und Frühstück, alle Hotels lagen in der Stadtmitte, außer in Moskau, da für mit U-Bahnanschluss.
Übernachtungen:
Geplant war Übernachtungen in Hotels, Hostels und auch mit dem Zelt. Natürlich es ist anders gekommen als geplant. Meistens haben wir ein Hotel und kostet übernachtet. Zu den Preisen ist ja im vorhergehenden Absatz schon geschrieben. Es hat sich schnell gezeigt, dass in den einzelnen Hotels und Hostel immer wieder Wi-Fi vorhanden war und so haben wir von Tag zu Tag die nächste Übernachtung in der nächsten Stadt reserviert. Nicht immer haben wir im Voraus reserviert. Manchmal haben wir uns aus dem Internetadressen besorgt, die wir dann vor Ort abgefahren sind. Falls Hotels ausgebucht waren, hat uns auch schon mal die Angestellten dieses Hotels uns bei der Zimmersuche weitergeholfen. In vielen Hotels konnte man auch seine Wäsche reinigen lassen, gegen einen geringen Obolus von teilweise nur einem Euro. Bei Hostels gibt es grosse Qualitätsunterschiede. Aber man ist mitten unter den Einheimischen. Denn einige sind offenbar gezwungen dort längere Zeit zu wohnen.
Außerhalb der großen Städten hätte man in der Weite des Landes, hin und wieder zelten können, ohne jemanden zu belästigen. Vor allen Dingen auf der Krim am Strand des Schwarzen Meer. In der Ukrainer gibt es schon etliche schöne Campingplätze, die meistens liegen am schwarzen Meer.
Eine gute Quelle für Hotelreservierungen ist die Internetseite Booking.com. Aber auch vor Ort, wenn man Einheimische fragt nach einer Unterkunft, kommt man manchmal zu sehr guten Unterkünften. Wie zum Beispiel in Sevastopol, wo wir zwar reserviert hatten, aber durch Einheimische zu einer anderen Unterkunft geleitet sind. Dort sprach die Wirtin deutsch. Was natürlich die Kommunikation erleichterte und man viele nützliche Tipps für Sevastopol und die Krim erhalten haben.
Navigation:
Im Zeitalter von GPS und Co., hatten natürlich auch wir unsere Navigationgeräte mit dabei. Für die Fahrt in die Großstädte und heraus, sowie übers Land, hatten wir das TomTom Rider 2. Natürlich vor der Fahrt nochmal aktualisiert übers Internet. Natürlich ersetzt das nicht die Karte aus Papier. An einer Tankstelle in Russland haben wir uns eine vernünftige Straßenkarte besorgt. Diese Mischung vom beiden ergibt eine fast unproblematische Fahrt durch Stadt und Land. Natürlich muss man weiterhin die Augen offen halten und flexibel genug sein, um ans Ziel zu kommen. Aber das Navi zeigt auch Wege auf, die man sonst nie gefahren wäre geschweige denn je gefunden hätte. Das waren manchmal Wege die sehr abenteuerlich waren, aber sehr viel Spaß gemacht haben (Krim). Als weiteres Backup hatten wir auf dem iPhone die Navigationssoftware von Navigon-Europa und -Russland, für die topographischen Karten kam das Garmin GPSmap 60 csx zum Einsatz. Darauf hatten wir die OSM-Karten von Russland drauf. Die Navigation beschränkte sich aber nicht nur auf die Geräte. Wir haben von Passanten bis hin zu den einheimischen Polizisten (Saratov) alles in Anspruch genommen, um an unser Ziel zu gelangen. In Saratov haben uns die Polizisten sogar mit ihrem Streifenwagen bis vor das Hotel gebracht.
Öffentliche Verkehrsmittel:
In den Großstädten wie zum Beispiel Moskau, Kasan, Stalingrad und Kiew haben wir natürlich nur die öffentlichen Verkehrsmittel und Taxis benutzt. Metro, Trollybus (Oberleitungsbus) und Tram, sprich Straßenbahn, sind die besten und billigsten Möglichkeiten solche großen Städte zu erkunden. Und außerdem ein Erlebnis dort mitzufahren. Die U-Bahnen in Moskau und Kiew sind sehr sehenswert, weil sie viele wunderschöne U-Bahn Haltestellen besitzen. Außerdem ist in Kiew die U-Bahn einer der tiefsten der Welt. Die Preise für U-Bahn, Tram und Busse liegen zwischen 0,30 € bis 0,70 € pro Fahrt in Belarus, Russland und Ukraine. Die Linien und Fahrpläne sind leicht verständlich und man findet sich schnell zurecht. Wenn man weiß wo man hinfahren möchte, gibt es Möglichkeiten heute sich schon die Apps aufs Handy zu laden und so schon die Fahrpläne bereit zu haben.