17.6.2013 Saratov
Der heutige Tag war sehr ereignisreich. Frühstück, dann Gagarin Museum, ein kleines aber sehr feines Museum. Das muss man sich anschauen. Juri hat hier in Saratov studiert und viele Jahre gelebt. Nicht nur um Juri Gagarin dreht sich hier alles, sondern auch um andere Kosmonauten und die Menschen die den ersten Kosmos-Flug ermöglicht haben. Denn Juri ist auch hier in der Nähe wieder gelandet, aus dem Kosmos natürlich. Danach haben wir uns ein original russisches Eis gegönnt, lecker. Dann sind wir zum Hotel geschlendert. Dort haben wir drei Motorräder mit deutschem Kennzeichen gesehen, die gerade angekommen sind.
Nach kurzer Siesta haben wir unsere Motorräder in Angriff genommen. Heißt, Kontrolle der Kettenspannung und Kettenschmierung. Schon stand ein russischer Motorradfahrer (Sergejj) an Ulis Honda, denn er fährt das selbe Modell. Da beide englisch sprechen, geht das fachsimpeln gleich los.
Maik versucht in der Zwischenzeit seine Kettenspannung zu regulieren. CDas klappte erst mal nicht, weil Uli, der Trottel, in einem Anfall geistiger Umnachtung den Knarrenkasten vergessen hat! Also begann bei den mittlerweile sich angesammelten russischen Motorradfahrern eine solidarische Hektik der Hilfe zu entwickeln. Uli besorgte der weil das passende Werkzeug, in dem Moment kam ein Helfer mit einem Gedore-Kasten mit passender Nuss. Denn vor unserer гостиница волна traf die Rallye „Peking to Paris 2013“ gerade ein, also die ersten Fahrzeuge.
Dann klappte alles sehr gut. Sergej und Alexej luden uns zu einem Besuch auf die Falkenberge am Abend ein. Wir gingen uns danach die Autos der Rallye anschauen und etwas essen.
Um Punkt 21 Uhr stand Sergej mit seiner Frau vorm Hotel, um uns zu den Falkenberg ab zu holen. Dort trafen wir kurze Zeit später auf wieder Alexej und seine Frau. Vom Falkenberg hat man einen Wahnsinnsblick auf Saratov, Engels und die Wolga. Dort wird auch an die Saratover Opfer des 2. Weltkriegs erinnert. Unter anderem sind dort auch schwere Maschinen aus Landwirtschaft, Strassenbau, Energieerzeugung, Weltraumtechnik und natürlich auch Waffentechnik ausgestellt. Ein sehr beliebter Ort der Einwohner von Saratov, abends vor allen Dingen für Verliebte! Als Dankeschön überreichten wir jedem ein Patch unseres örtlichen Motorradclubs Kuhle Wampe Nürnberg und tauschten unsere Adressen aus. Von den russischen Freunden erhielten wir eine Einladung zu ihrem Clubhaus der „Russians Rider Saratov“. Leider konnten wir im Hotel nicht um ein Tag verlängern. So blieb uns nur der Abschied am Hotel.
18.6.2013 Saratov nach Volgograd
Wir starten ganz normal gegen halb zehn, aber es dauert über eine Stunde, bis wir aus der Stadt sind. Wir müssen erst noch einen Knarrenkasten kaufen, denn den werden wir unterwegs wohl noch brauchen.
Uli würde sich am liebsten wegen seiner Vergesslichkeit selbst in der Arsch beißen, ist aber nicht gelenkig genug, und Maik weigert sich. Die Straße ist zunächst „normal“, wie üblich meist 1,5 Stunden, In der Zeit schaffen wir ca. 100 km, dann eine kurze Pause und die nächsten 100 km bis Tankpause. Unterwegs eine längere Baustelle mit festem und losem Sand erinnert ein wenig an eine mittelschwere Wüstenpiste, nur kürzer. Nach rund der Hälfte der Strecke kommen wir an eine Fähre über einen Seitenarm der Wolga, schätzungsweise 2 km breit. Wir müssen wie bei der letzten Fähre 2 Std. warten.
Die Straße ist danach relativ gut, aber durch die Wartezeit kommen wir erst nach 7 Uhr in unserem Hotel Flamingo an.
Das Zimmer ist Super, sauber, groß, Klimaanlage, angenehme Einrichtung, nur ein Kühlschrank fehlt. Dann kommt das Bier eben ins Waschbecken. Dann noch was Essen, kleiner Einkäufe, und das war’s für Heute.
19.6.2013 Volgograd
Es regnet! Gestern Nachmittag war es schon etwas bedeckt, die Höchsttemperatur sank auf ca. 35 Grad im Schatten, das war angenehm. Aber Regen macht keinen Spaß. Wir ziehen trotzdem los, zu Fuß und mit der Straßenbahn zum Mamajew-Hügel mit dem Ehrenmahl der Stalingrader Schlacht im 2. Weltkrieg.
Wie schon vorher in ähnlichen Situationen differieren Maik’s und Uli’s Einschätzung zu dem Mahnmal, aber auf jeden Fall ist es imposant, monumental und beeindruckend. Am späten Vormittag läßt der Regen nach, und wir gehen ins Museum, dass ausführliche Infos zur Schlacht um Stalingrad liefert. Uli findet, dass die Gräuel des Krieges zu wenig klar wird, dafür der Heroismus der Sowjetsoldaten überzeichnet wird.
Für Maik wird in dem Panorama-Museum die Grausamkeit dieser Schlacht gezeigt. Denn dort wird vom Soldaten der Roten Armee, über die Männer, Frauen und Kinder berichtet die unter Einsatz ihres Lebens, egal ob in der vordersten Linie, im Lazarett oder Fabrik, außergewöhnliche Taten vollbrachten. Nur wer diese Schlacht erlebt hat, kann es wirklich beurteilen, bzw. diesen Krieg überlebt hat.
Stalingrad war nach der Schlacht völlig zerstört, und mit völlig ist wirklich so ziemlich jedes Gebäude gemeint, kein Vergleich zu den Bildern von teilweise zerstörten Städten, wie wir sie bisher gesehen haben. Diese Zerstörung ist auch der Grund dafür, das es im heutigen Volgograd keine historischen Sehenswürdigkeiten gibt, alles wurde in der 3. größten Stadt Russland neu aufgebaut.
Zurück im Hotel gibt es einen Imbiss und danach eine ausführliche Siesta – es ist wieder heiß.
Am späten Nachmittag versuchen wir ein Souvenir für Maik zu finden und fahren in die Europa-Mall, aber für seinen erlesenen Geschmack finden wir natürlich nix – er wird wohl ohne Andenken zurückkommen. Aber wenigstens bekommen wir da ein leckeres und günstiges Abendessen an einer Salatbar, und jetzt sind wir wieder zurück im Hotel, draußen gewittert es und wir trinken Bier, quatschen und schreiben euch.
20.6.2013 Volgograd
Heute Morgen wollen wir in ein weiteres Museum, innerhalb des Kaufhauses Univermag. Im Reiseführer steht keine Adresse, aber im Internet finden wir was unter dem Namen. Also Latschen wir bei trübem Wetter hin, aber kein Museum weit und breit. Statt dessen aber ein Markt mit Kleidung, Schuhen und allem möglichen Krimskrams.
Na gut, dann schauen wir uns da mal um, vielleicht finden sich ein paar nette Souvenirs. Später fängt es dann an zu regnen, deshalb fahren wir mit dem Trolleybus zurück, für Uli das erste mal in so einem Gefährt. Im Hotel dann etwas essen und Siesta, dann der 2. Versuch das Museum zu finden.
Diesmal finden wir es, gut versteckt in der Nähe des Bahnhofs am Hinterausgang des Intourist-Hotels. Es ist viel kleiner als das gestern besuchte, liefert viel weniger Fakten, aber die Stimmung kommt hier besser rüber. Danach haben wir zu Abend gegessen und sind wieder zurück ins Hotel, guten Abend allerseits.
21.6.2013 Volgograd nach Astrakhan km 205107
Eigentlich ein ganz normaler Reisetag, oder auch nicht? An so einem Tag nehmen wir uns üblicherweise ca. 400 km vor, +- 100 km. In 1,5 Std. schaffen wir ungefähr 100 km, ein Schnitt über 70 km/h ist selten zu erreichen, wenn man die Verkehrsregeln halbwegs einhält, und das empfiehlt sich bei den Kontrollen. Kurze Pause, dann die nächsten 100 km und tanken. Die erste und letzte Etappe dauern meist länger Stadtausfahrt bzw. -einfahrt. Heute hat die Ausfahrt extra lange gedauert, Volgograd erstreckt sich entlang der Wolga über 80 km? Aber danach ging es auf guten Straßen außerordentlich schnell voran.
Trotz der langen Etappe konnten wir uns die Zeit nehmen, die gigantische Wolga zu bewundern und das Regulierungsstauwerk am Beginn des Deltas zu besichtigen.
Die Landschaft verändert sich kontinuierlich, waren es bis Nizhny überwiegend Wälder, kamen danach immer Felder und Wiesen, die inzwischen in Steppe übergegangen sind. Wie das Delta aussieht, das werden wir Morgen erfahren, denn nach der problemlosen Ankunft (Uli muß zugeben, dass die Elektronik, die vorher nie benutzt hat, durchaus hilfreich ist, wenn auch kein vollständiger Ersatz für Papier und Sprache) haben wir einen Tagesausflug gebucht.
Bergfest:
Wir sind jetzt mehr als die Hälfte der Strecke gefahren, über 5000 km, haben ungefähr die Hälfte der geplanten Zeit verbracht, ohne das es Uli gelungen ist, Maik zu einem handfesten Streit zu provozieren, der sagt, dass ist doch kein Gegner, den sich zu töten lohnt. Es liegen noch einige ungewisse Strecken vor uns, nahe Dagestan, Tschetschenien, durch den Nordkaukasus, aber jede Etappe bringt uns etwas näher an unseren Startpunkt Nürnberg. Also ist die Hälfte rum, zur Feier des Tages macht Uli Maik besoffen, und kommt selbst auch nicht zu kurz. Es hat so viel Spaß gemacht, es kann kaum besser werden, höchstens schlechter. Deshalb trauern wir mit Wodka.
Im Übrigen hat es seit fast 3 Wochen keinen Kommentar mehr zu unserem Blog gegeben. Nicht positiv, nicht negativ. Wenn euch der Blog nicht interessiert, bitte sehr, wir werden unser Reisetagebuch weiter schreiben, aber uns die Mühe des Hochladens sparen, wenn kein Feedback kommt.
Nicht mehr ganz nüchtern, Maik + Uli
22.6.2013 Astrakhan
Aufstehen, den Spiegel erschrecken und zum Frühstück gehen, so sollte der Morgen aus sehen. Aber Uli entschied sich lieber heftige Bauchkrämpfe zu bekommen. Sein Frühstück sah dann mehr so aus, zwei Imodiumtabletten zu schlucken und sich auf dem Bett zusammen zu kringeln. Gestern, nach der Ankunft am Hotel, sind wir gleich zu einer Touristenagentur gegangenen. Um eine Tour ins Wolga-Delta zu buchen. Wir hatten Glück, denn ein junger Schwede versuchte gerade für sich das gleiche zu buchen. Da der Preis für eine Tour unabhängig von der Anzahl der Teilnehmer ist, konnten wir uns den Preis durch drei teilen. Das fand vor allen Dingen der Schwede, Viktor, sehr gut.
Neun Uhr sollten wir am Hotel abgeholt werden. Uli’s Teilnahme an der Tour wurde fraglich – nein, nein, nein und dann stand er doch da zur Abfahrt um 9.00 Uhr. Das wollte er sich doch nicht entgehen lassen. Gut. Der Kleinbus kam und Viktor sah’s schon drin.
Eine Stunde Fahrt ins Delta, dann eine Stunde mit dem Motorboot bis zur Lodge. Von dort ging es mit einem schmalen, langsamen Boot für über zwei Stunden ins Delta bis zum Kaspischen Meer. Kormorane, Seeadler, Fischreiher, Pelikane und viele andere Vögel. Fische, Amphibien und Libellen der verschiedensten Varianten. Schilf, Seerosen, Lotos und vieles andere Grünzeug.
Zurück an der Lodge gab’s ein Essen: natürlich Fischsuppe, Fischbällchen mit Kartoffelbrei. Lecker. Das ganze zurück zum Hotel. Uli geht’s zum Glück der Mitreisenden, in dem Fall Maik, wieder besser und er konnte den Ausflug genießen. Er hätte sich geärgert, wenn er nicht mitgekommen wäre.

















