Lappland 2014

Die letzten Vorbereitungen laufen. Wollte eigentlich schon längst unterwegs sein. Naja!
1. Tag (gefahrene Kilometer: 705)
Start 20.5.14. In einem Ruck bis Rostock, mit kurzem Abstecher zum Brüderchen und anderthalb Stunde Pause. Gut und überpünktlich bei der Fähre. Ab zum Fährcenter, meine Papiere geholt. Beim Betreten des Büro werde ich mit Namen begrüßt. Weil ich zu lange meine Buchungsnummer im Handy suche. Küstenmädel auf Zack, dass einzige Motorrad heute, Fall geklärt. Die mit 45 Minuten später ablegte, aber genau auf die Minute da war.

Rostock Fährhafen

2. Tag (gefahrene Kilometer: 750)
Pünktlich ging’s von der Fähre, ausgeschlafen, sauber und satt. Halb sieben steh ich in Schweden, wo die Palmen wachsen.
Siehe Beweis:
Südschweden ist noch nicht sehr interessant. 350 Kilometer weiter nordwestlicher, sah die Sachen schon besser aus. Mehr Wald, mehr Berge, mehr Seen und meeeehhhrrr Kurven!
Wo soll ich übernachten? Natürlich im Wald am Wasser. Augen auf und was gefunden. Raus aus den Klamotten und rein ins kalte Wasser.
Sitze bei eins, zwei Bier und schreibe mein Blog. Es ist 22.00 Uhr und hell. Bei uns würde man sagen: es ist ein bewölkter Tag.
3. Tag (gefahrene Kilometer: 731)
Vogelgezwitscher und Sonnenschein durch die Bäume, wecken mich. Espresso aufgesetzt und Brownies auf den Tisch. Kopf ins kühle Nass und Klamotten zusammen gepackt. Irgendwo 400 Kilometer vorm Ziel, nochmal tanken und etwas zu essen eingekauft. Im Supermarkt spricht mich ein junger Mann wegen meiner Kutte, ob ich eine Harley fahre. Kurzer smalltalk und weiter geht’s. Zweihundert Kilometer vor dem Ziel, treffen ich die ersten Wampen (Motorrad Kuhle Wampe). Kurz danach der erste Regen.
20.30 Uhr komme ich, beim 1. Lappland-Treffen der Außenstelle des MCKW-Club Pleissenburg, an.
Um 2.00 Uhr fallen wir in den Schlafsack. Mittlerweile weiß man hier im Norden nicht, ob es noch Tag oder Nacht ist.
4. Tag
Fahrt zum Einkaufen-350 km hin und zurück
Einige der Leutchen wollten was zum Essen und Souvenir’s kaufen. Der nächste Laden ist hier Oben nicht gleich um die Ecke. Also ab in den VW Bus. Unterwegs ein Elch erspäht und ein bisschen Rentier-schupsen gemacht. Und kleine Kinder geärgert.
Am Abend wurde wieder gegrillt. Ich hab mir geschabtes Elchfleisch geholt und der Gastgeber hat nach samischer Art es angerichtet: gebraten, mit Sahne und Salz gewürzt. Es ist Wild.
Seit gestern Abend, so auch heute Abend, beschert uns das Wetter immer heftige Regenschauer und Gewitter.
Mittlerweile sind 14 Leute angereist.
5. Tag
Heute wieder Regen unterbrochen von Nichtregen. Viele Benzingespräche und Pläne schmieden, wie weiter Gefahren wird. Eine Kette gewechselt, ein Klavier raus geschafft, ach ja und einen Pechvogel von der O-Fahrt mit einem Motorradstillstand 14 Kilometer nach Start abgeholt.
Um Mitternacht gab es ein herrliches Bild. Nach einem, der reichlichen Gewitterschauer, zeigte sich auf der einen Seite ein Regenbogen und gegenüber die Mitternachtssonne.
Gargnäs Mitternacht2
Die Einheimischen haben sich zu unserer Unterhaltung noch was einfallen lassen. Nicht nur diese schöne Szene, sondern zwei junge Männer sind mit einem vierrädrigen Kleinstfahrzeug, Marke Eigenbau, die Strasse entlang gekommen. Leider wurde der Mitfahrer hinten immer aller 10 Meter verloren und rollte vom Fahrzeug auf die Strasse, beziehungsweise Rasen. Denn er hatte wahrscheinlich mehr Alkohol in der Blutbahn, als das Fahrzeug Benzin im Tank. Und die Strasse war lang und schnurgerade.
6. Tag
Auf zum Polarkreis. Über Schotterstraßen, eisbedeckte Seen und Schnee.

Polarkreis in Schweden

Die Autos und LKWs, die sowieso schon selten zu sehen waren, wurden noch seltener, je weiter nördlich es ging. Nach 100 Kilometern erstmal die Thermo in die Motorradkombi gezogen und Winterhandschuhe an. Am höchsten Punkt der Straße, 740 m.H., kamen uns die Snowmobile entgegen. Kaum die Grenze nach Norwegen überschritten und einige Höhenmeter tiefer, wurde es belebter und wärmer. An der nächsten Raststelle aufgewärmt und was zwischen die Kiemen geschoben.

Saltstraumen

Ein paar hundert Kilometer weiter Richtung Bodø, kamen wir zum größten Malstrom der Welt. Zu den Saltstraumen, wo Ebbe und Flut ein einzigartiges Schauspiel betreiben. 400 Mio. Kubikmeter Wasser werden aller 6 Stunden einmal rein und einmal raus gepresst.
7. Tag (298 km)
Die Sonne geht ja schon lange nicht mehr unter, hier OBEN. Nach einem guten Frühstück geht’s noch mal am Malstrom vorbei, weiter auf der RV17 Richtung Süden. Unbeschreiblich die Landschaft, die einem nach jeder Kurve etwas neues bietet.
Jetzt zelten wir am Fjord, gefüllt mit Nordmeerwasser. Heute sind wir ein zweites mal über den Polarkreis gekommen, Rückweg.

Polarkreis in Norwegen

8. & 9. Tag
Weiter ging’s auf der Straße 17. Immer wieder unterbrochen von Fähren. Das Wetter ist uns wohl gesonnen, im wahrsten Sinn. Wir haben uns einen tierischen Sonnenbrand im Gesicht zu gezogen. Die Straßen boten alles was sich ein Motorradfahrer-Herz wünscht. Kurven, Kurven und Kurven. Ich glaube der Kurvenspeicher füllt sich immer mehr. Könnte bis nächstes Jahr halten. Aufpassen müssen wir auf Rentiere, Schafe und Katzen die gerne mal vor’s Motorrad springen.
In Nesna stellten wir das Zelt am Fjord auf. Tag drauf auf einen, für diese Woche geschlossenen, Campingplatz am See. Dort trafen wir einen Radfahrer aus Tschechien. Nachdem wir blieben, entschloss er sich auch dort zu nächtigen. Denn die Sanitären Anlagen waren alle offen und funktionsfähig. So hinterließen wir auch einen angemessenen Obolus. Am nächsten Morgen half mein Mitfahrer dem Radfahrer mit einer Ventilkappe aus. Weiter ging’s nach Trondheim.
10. Tag
Trondheim

Nidaros-Dom

Schon vor Ankunft planten wir einen Tag in Trondheim zu verbleiben. Gesagt getan. Frühstück und ab in die Stadt. Halt! Da war noch was. Wir müssten uns die Maschine von Michael anschauen, irgendwas leckte. Also dreckige Finger gemacht und nachgeschaut. Nüschte jefunden, nachdem er alle Benzinhähne geschlossen hatte. Geputzt und jetzt in die Stadt. Festung Kristiansten, Nidaros-Dom und Hjemmefront-Museum (Widerstand der Norweger gegen Nazi-Deutschland und Quislinge)! Sehr empfehlenswert.
Am Füße der Festung gibt es einen Fahrradaufzug, eigentlich weniger Aufzug als mehr Aufschub. Auch ein Kaffee in der beschaulichen Altstadt war drin.
Nach einer kurzen Pause ging’s zum Futtern. In einer alten Poststation. Fischsuppe, die beste in ganz Norwegen, und Fischeintopf mit Clipfish, Kartoffeln, Möhren, Lauch, Zwiebeln und Sellerie. Mmmmmhhh.
Dem noch nicht genug, ein absacket muss her. Auf dem Rückweg kommen wir an einer kellerbar vorbei. Die sah von außen so schäbig aus, da mussten wir rein. Ein Rockerclub namens „Fru Lundgreen“.

Rockerclub Fru Lundgreen

Erstmal zwei „walking dead“ rein gezogen.
Jetzt könne mier guht grunzen.
10. Tag Trondheim-Åndalsnes
Leicht bewölkt sind wir in Trondheim gestartet. Heute sollte es eine Anfahrt zu dem Trollstigen sein, aber eine sehr schöne. Im Fjord von Åndalsnes erwartete uns der Vergnügungsdampfer „Queen Mary 2“. Das Schiff sah in dem Fjord irgendwie klein aus. Auf dem Campingplatz beschlossen wir zu Grillen, Rentierwürste. Sehr lecker.

Campingplatz-Blick in die Berge

11. Tag
Von anderen Motorradfahrern erfuhren wir, das 9 Kilometer vor Trollstigen ein Motorradtreffen statt findet. Leider sind wir durch eine unglückliche Streckenführung nicht in den Genuss des Treffens gekommen. Schade.

Trollstigen

Trotzdem war es ein Fahrerlebnis, zum Trollstigen nach Laerdal, über Geirangerfjord, Lom, Sognefjell (1434 m hoch) und Tindevegen (herrliche Kurven und Aussicht).
12. Tag
Laerdal-Norefjord (Rødberg)
Den Tag ließen wir ruhig angehen und machten eine Wanderung von 2 Stunden am Hang eines naheliegenden Berges. Bis auf 270 m Höhe. Die letzten Meter wie eine Bergziege am Steilhang. Nichts für Leute mit Höhenangst. Dort habe ich mich im „Gipfelbuch“ eingeschrieben, bei brennender Sonne. Bei einer Rast am Fjord nahm ich ein unfreiwilliges Bad, mit Klamotten. War sehr erfrischend.
Wir fuhren den Snøvegen nach Aurland und nicht den längsten Straßentunnel der Welt (24 Kilometer). Der Snøvegen ist den Tag zuvor erst eröffnet worden. Wie der Tindevegen, ist dieser auch ein alter Handelsweg der asphaltiert worde. Klein, schmal und Super. Hier oben sind wir durch meterhohe Schneepassagen gefahren. Nach einem einem kleinem Zwischenstopp in Geilo (Rentier- und Elchsalami noch besorgt), ging es zum letzten Campingplatz in Norway. Gelegen direkt am See Norefjord, nahm ich ein erfrischendes Bad. Das ist die Wahrheit, sowahr mir Thor helfe.
13. Tag
Norefjord-Oslo
Bei brütender Hitze war Oslo erreicht. Ab ins Hostel und gleich in die Stadt ein kühlendes Øl geschlürft.
14. Tag
Oslo
In der Stadtfestung Akerhus gibt es ein Hjemmefront Museum. Dies sahen wir uns als erstes heute an. Wer Oslo als Deutscher besucht, sollte sich dies anschauen. Angefangen vom Münchner Diktat 1938, Überfall Norwegens durch Deutschland, über den Norwegischen Widerstand bis zur Befreiung und Kapitulation der deutschen Truppen in Norwegen.
  Eine ähnliche Granate hat das deutsche Nazi-Schiff „Blücher“ im Oslo-Fjord, am Tag des Überfalls, abgefeuert von der norwegischen Armee, versenkt und so den Fjord blockiert. Die Kanonen aus der die Granaten abgefeuert wurden, waren von KRUPP!
Weiter gings zum Osebergschiff-Museum, aus der Wikingrzeit.
Heute Abend soll es ein wenig das Nachtleben von Oslo werden.
Nicht nur in Paris gibt es die Moulin Rouge, auch in Oslo gefunden.
In der letzten Nacht in Oslo & Norwegen, wollten wir noch ein bisschen vom Nachtleben mitnehmen. Wir hatten die Wahl zwischen Schwanentanz, einem Klassischen Konzert und King Dude/Scout Pare-Phillips. Als Biker hat King Dude und Scout gewonnen. Keine Ahnung was uns erwartet. Also ab ins „The Revolver“(http://www.revolveroslo.no/en). Nur 10 Minuten vom Hostel, das ist schon mal gut. Dort noch was gefuttert, Buffalo Wing’s mit Jalapenos!!! Dann kamen die schwarzgekleideten Leutchen, super. Dann gab es im dunklen Keller Postpunk und Darkfolk aus den USA.
Hier was zum King Dude auf arte: http://www.arte.tv/de/king-dude/7612248,CmC=7612244.html
Foto 4
Foto 5
15. Tag
Abfahrt nach Kiel
An der Fähre in Oslo trafen wir dann Freunde vom Lappland-Treffen wieder. Jetzt hatten wir 20 Stunden Zeit Erlebnisse auszutauschen, bei gemütlichen Zusammensein.
Es sind alle wieder gut nach Hause gekommen.

2 Gedanken zu “Lappland 2014

  1. Hey Maik
    bist ja fast auf unseren Spuren gewandelt, waren auch in Andalsnes und natürlich in Oslo, aber nicht in der Mühle, nur davor!?
    Nun bist du ja schon auf der Rücktour, aber vieleicht liest du das noch auf der Fähre. Und hebe noch etwas von der Wurst auf, Contschita!!!
    Mi. No

  2. Hallo Maik,
    ich glaube, das nördlichste, was ich von Schweden noch besuchen würde, wäre die Landschaft von Darlana – da, wo die Holzpferdchen herkommen und die größten Mittsommer-Feste geschmissen werden. Lappland ist eben nichts für Waschlappen, wenn es regnet, stürmt und Tageszeiten sich nicht ändern. Meine Vorfahren kamen vor knapp 600 Jahren von Italien nach Thüringen, so gut bin ich also nicht an widrige Bedingungen angepasst. 😉

    Die Insel Gotland soll auch eine sehr geschichtsträchtige Region sein mit einer außergewöhnlichen Naturlandschaft. Da gibt’s auch die größte Enduroveranstaltung der Welt, evtl. war schon eine Wampe dort.

    Und auch weiterhin nicht verzagen, die Lappen machen’s vor: http://www.fun-ohne-ende.de/texte_anzeigen.php?id=6&kat=314

    Viel Spaß noch!

    Becci

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