Türkei-Tour 2015 oder zwei Ossis im Osten

30.7.-2.8.2015 Abfahrt/Anfahrt (Eigentlich – dann doch)

Nach einigen Veränderungen der Mitfahrer, ging es verkleinert dann doch auf die Autobahn. Motorräder auf den Hänger und rein ins Auto. Eine solche Fahrt hab ich noch nicht erlebt. Gefühlt sind die Hälfte der türkischen Menschen in Westeuropa Richtung Türkei gefahren. Und zwar alle gleichzeitig. Ab der serbischen Grenze im Schnitt 2 Stunden Stau pro Grenzübergang. Gerade werden wir intensiv vom türkischen Zoll in Augenschein genommen (01.08.2015). Da der Zoll-Lehrling mit den ganzen KFZ-Papieren von uns total überfordert ist, schickt er uns zu seinen Kollegen. Auch diese Leutchen sind mit den KFZ’s überfordert und müssen erstmal verschiedene Ordner welsen, was zu tun ist. Alles sehr freundlich. Eigentlich kommen 4-5 Leute auf ein Auto, bei uns 2 Leute auf vier Fahrzeuge.Da wir mit einem VW T4 unterwegs sind, ist das schlafen recht entspannt. Heute Abend werden wir es nicht nach Didim schaffen. Dafür wollen wir uns mit einem Bier pro Mann und Maus belohnen, für die Ankunft und unfallfrei in der Türkei !

0.30 Uhr früh am 2.8. setzen wir nach Çannakalle über, mit der Fähre. Hey Troja ist nicht weit. Also abgebogen und nun stehen wir vor Troja. Verschlossen. Ob das damals auch so war, wenn man als Reisender gekommen ist? Zum Glück haben wir den T4. Um die Ecke geparkt, der Eine geht ins Bett, der Andere sitzt mit seinem Efes Bier am Straßenrand und schreibt diesen Quatsch im Schein einer Strassenlampe. Neben bei muss er eine Bande von Strassenhunden, drei Katzen und eine Mücke abwehren. Also warten wir bis Troja seine Tore; hey, ein Steinmarder schmeißt mir fast mein lauwarmes Bier um; öffnet.

Bier an letzter Kreuzung vor Troja

2.8.2015 Troja

Nachdem wir durch den landwirtschaftlichen Verkehr geweckt wurden, leisteten wir uns einen Frühstücksteller und ein paar Tschais. Inzwischen hat sich ein Abenteuer-Truck aus Österreich zu uns gesellt. Gesteuert von einem Paar aus Südafrika.

Mal schauen was noch von Troja übrig ist.

Da der Weg nach Troja gleich um die Ecke liegt, geht es zu Fuß dort hin. Den Hollywood Schinken mit Brad Pitt im Kopf, begrüßt uns das trojanische Pferd.

Ich war hier!

Die Ausgrabungen die nach Schliermann gemacht wurden sehen nicht nur (denn sie sind es auch) wissenschaftlicher aus, als der barbarisch geschlagene Probegraben des genannten Herren. Dieser ist heute immer noch als Vergleich schön sichtbar. Weiter ging es Richtung Didim. Ah, Efes. Runter von der Bundesstraße und nach Ephesus. Leider war schon alles zu.

3.8.2015 Selçuk/Ephesus

Steinhaufen, kapiert?!

Gestern Abend suchten wir den einzigen Campingplatz in Selçuk. So wie im Reiseführer beschrieben fanden wir diesen vor. Trotzdem mussten wir uns durchfragen. Denn Ausschilderungen sind hier fremd. Als wir in einer Sackgasse einige Passanten nach dem möglichen Weg fragten, kam der bewaffnete Wachposten der Jandarman (Gendarmarie) gleich zu uns. Naja. Auf dem Campingplatz lotste uns der Besitzer in den größten Match, dass der Bus samt Hänger stecken blieb und kein vor und zurück möglich war. Dafür hatte der Platzbesitzer ein Hemd voller Matchspuren von durchdrehenden Rädern! Am nächsten Morgen war alles etwas getrocknet und mit viel Mannpower ging es weiter.

Ephesus ist sehr beeindruckend, dass fanden auch die enormen Horden von Touristen aus alles Welt. Begleitet von Zikaden millionenfach. Als wir zum Parklatz zurück kamen, versperrte uns der Abenteuertruck aus Troja den Weg. Ich klopfte etwas zu fest. Ganz erbost kamen die Südafrikaner aus ihren Truck. Aber schnell war das Problem geklärt und es ging weiter Richtung Akbük.

4.8.2015 Akbük gegenüber von Didim

Sonnenuntergang über Didim

Nachdem wir gestern bei Sedat’s Schwestern in Akbük angekommen sind und viele Neuigkeiten ausgetauscht wurden, ging es an die Vorbereitung von Mensch und Maschine. Maik’s Maschine fiel auf den Hänger beim Gurte lösen. Zum Glück nicht vom Hänger. Nix passiert und weiter geht’s. Naja, Sedat hat sich etwas den Muskel geprellt. Nach einem sehr guten Frühstück von der Schwester, ging es auf große Fahrt Richtung Milas. Zwischenziel war Aphrodisias, eine antike Stadt die dem Aphrodite-Kult ganz und gar gewidmet war. Dann wollten wir auf kürzester Strecke nach Pamukalle (Denizli). Wollten. Wir sind auch klasse Endurostrecken gefahren. Nur sind wir am Ausgangspunkt wieder angekommen. Eine herrliche „Runde“. Na dann eben wieder Bundesstraße. Ins Hotel, zum Essen und ausschlafen.

Aphrodisias

5.8.2015 Pamukkalle – Eğirdir-See

Nicht allzu spät wollten wir aufbrechen, vorher natürlich die Kalksteinterrassen anschauen.

Dann doch erst zur Mittagszeit auf den Bock. Nur schnell genug fahren, damit der Fahrtwind uns kühlt. Fragt lieber nicht wie schnell und wo überall!

Burdur

Richtung Burdur, dort einen Tee getrunken, weiter über Isparta nach Eğirdir. Auf der Halbinsel bei Eğirdir haben wir eine Pension gefunden. Wir wollten eigentlich auf den örtlichen Campingplatz, aber ihre stillen Örtchen entsprachen mehr den Haufen, die man wegspülen möchte. Direkt am Seeufer mit WiFi ist besser, wo das Toilettenpapier nicht mit einem spricht, sondern ganz still an der Wand hängt. Hier werden wir zwei Nächte verbringen und Tagesausfahrten machen. Durch den Seewind ist es sehr angenehm.

Eğirdir See

Fisch, Salat und Humus

6.8.2015 Yesilada/Eğirdir

Taurusgebirge

Nach dem üblichen Frühstück, schwangen wir uns auf die Motorräder. Bei angenehmen Temperaturen wollen wir das Gebiet zwischen Egirdirsee und Antalya erkunden. Immer wieder kamen wir an Mamorsteinbrüchen (weißer) vorbei. Meisten waren es Bergspitzen, die nicht mehr existierten nach dem Abbau. Dafür war der Weg durch die Berge zum Motorradfahren herrlich kurvig.

Yazili Kanyon Campingplatz

Yazili Kanyon, Anfang

Bis auf einige mit Schotter übersäte Strassenabschnitte, die uns ins rutschen brachten. Im Yazili Kanyon Tabiat Parki angekommen, gab es den mittlerweile obligatorischen Tschai/Tee. Frisch gestärkt ging es in den Canyon. Übersetzt heißt der Inschriften-Canyon. Hier führt der 500 km lange St. Paul Trail entlang. Weniger die Inschriften, als mehr die Landschaft war Interessant. Ungefähr 1 Kilometer vom Parkplatz, Richtung Quelle, liegt ein Platz der auch zum campen genutzt werden kann. Wir hatten von den Nationalpark-Arbeitern das okay für die Befahrung des Weges zum Campingplatz erhalten. Für Autos nein, für Motorräder ja. Aber am Anfang des Weges war eine Wasserdurchfahrt. Das reizte uns sehr. Wir testeten die mögliche Durchfahrt. Leider hielten wir das Risiko mit Gepäck für riskant. Das wäre eine geile Sache gewesen. Campen in den Bergen, an einer Quelle. So badeten wir eben nur im eiskalten Canyonwasser.

Vorher

Nachher

Auf der Rückfahrt kehrten wir in dem Restaurant der nahen Forellenfarm ein. Die Forellen sahen ihr Unheil in Form von zwei Motorradfahrern kommen und konnten nicht wegschwimmen. Es kann nur einen Gewinner geben. Wir haben jedenfalls nicht verloren. Die Rückfahrt war nochmal eine Genusssteigerung fürs Motorradfahren. Das Navi zeigte schon gar keine Straße mehr an, sondern nur noch weiß. Aber es wurde langsam Zeit, eine Tankstelle zu finden. Zu mindestens für einen von uns. Mit fast dem letzten Tropfen Benzin erreichten wir eine Zapfsäule. Alles wurde gut. Ab zur Pension. Schon im Canyon zog ein Gewitter auf. Aber wir sind ihm davon gefahren.

7.8.2015 Egirdirsee-Konya

Bei Sonnenschein und etwas zu spät verabschiedeten wir uns von der Halbinsel. Der Weg führte uns in die Taurusberge mit vielen Serpentinenstraßen. Wie immer muss man in der Türkei hinter jeder Kurve mit allem rechnen. Vom Esel, Ziege, Kuh, Katze ,Hund, parkende Pkw, Lkw usw. Die Liste könnte man unendlich weiter führen. In einem Nationalpark schauten wir uns eine Höhle an. Dort war es sehr angenehm kühl und das Wasser herrlich erfrischend. Wie überall in der Türkei, so auch hier, kommen die Einheimischen hier zum picknicken. Da wird alles was eine transportable Küche hergibt auf gebaut. Unsere Neugier brachte uns eine Einladung zum Essen mit Tschai ein. Frische gemachte Börek.

Wir schlugen leider aus, weil wir weiter mussten. In Seydişehir standen wir an einer Ampel und berieten, ob wir nicht hier was essen wollten. Ein junger türkischer Mann trat an uns heran und fragten uns auf Hessisch Deutsch, ob wir aus Deutschland kommen. Wir kamen kurz ins Gespräch. Er kommt aus Frankfurt/Main. Eigentlich wollten wir uns die Reste von Kilistra anschauen, sowie die Höhlenhäuser. Das Dorf Göykurt haben wir zwar gefunden, aber die zu den ältesten zählende Siedlung leider nicht gefunden. Dafür drehten wir eine Runde in dem Dorf. Das war eine Zeitreise. Traktoren und andere landwirtschaftliche Gerätschaften waren vorhanden. Dafür machte das Dorf den Eindruck einer Ruinenstadt und auch die Menschen einen rustikalen. So fuhren wir weiter nach Konya. In Konya fuhren wir schnurstracks zur Mevlana. Und mitten über den davor liegenden Platz und parkten auch gleich hier.

Konya

Mevlana war der Sitz der Bruderschaft der Derwische. Auch heute noch ein islamisches Zentrum. Also schauten wir uns die, so zu sagen, Klosteranlage an.

Mevlana

8.8.2015 Konya-Ankara

Gut ausgeschlafen fuhren wir die Motorräder aus der Tiefgarage. Bei der Ausfahrt aus Konya schenkte uns ein Autofahrer an einer roten Ampel zwei Schlüsselanhänger mit den Worten: Möge alles Schlechte von euch fern bleiben! Er ist sich offensichtlich der Realität des türkischen Verkehres bewusst.

Der Aberglaube in Materie

Eine Karawanserei wollten wir uns als erstes anschauen. Aus der Mitte des 13. Jahrhundert, etwa 20 Kilometer nordöstlich vom Zentrum Konya’s war sie schnell gefunden.

Karawanserei

Am Eingang der Karawanserei begrüßte uns der Museumspförtner sehr freundlich. Endlich wurde die schon seit 1000 und einem Tag andauernde Touristenflaute durch uns zwei durchbrochen. Allah sei Dank. Mit Elan zeigte er uns das Objekt unserer Begierde. Öffnete Türen, erzählte ein wenig von der Geschichte und zeigte was die deutschen Militärsoldaten im Ersten Weltkrieg hinterlassen haben. Diese ritzten ihr: Ich war hier mit Namen und bla bla ein. Diesen Tag wird der Gute nicht vergessen. Davon wird er bestimmt noch seinen Enkelkindern erzählen. Da Konya auf einer Hochebene liegt, rund 1000 m, veränderte sich die Landschaft kaum in Richtung Ankara. Denn das sollte unser nächstes Ziel werden. Bis kurz vor Ankara hielt sich die Steppenlandschaft. Variiert mit hügeliger Landschaft und sehr unterschiedlichen Strassenverhältnissen.

Irgendwo in der Hochlandsteppe 1

Da das Navi häufig ins Stocken kam, fragten wir die Einheimischen nach dem Weg. Weil wir zum dritten Mal an ihnen vorbei gefahren sind und sie wild gestikulierend uns wiederholt den richtigen Weg weisen wollten.

Wir sind cool!

Irgendwo in der Hochlandsteppe 2

Ein bisschen mit kribbeln im Bauch fuhren wir in Ankara ein. Denn der türkische Verkehr ist noch steigerungsfähig. Fast zielsicher fuhren wir ins Vergnügungsviertel. Die Hupe war bis zum Hotel fast ständig im Betrieb. Bei der ganzen Huperei wusste keiner mehr wer wen anhupt und warum?! Aber lustig war es. Wir haben einfach mit gemacht. Den Abend verbrachten wir mit der lieben Verwandtschaft aus Ankara der türkischen Hälfte unserer Motorradgemeinschaft.

Es ist 1.25 Uhr nachts und irgendwo in der Nähe tut jemand flexen. Alles ist möglich!

Hotel in Ankara

Damit man weiß, in welche Richtung man zu beten hat.

9.8.2015 Ankara – Amasya

Tschai Pause

Raus Ankara und über Kirikkale nach Boğazkale. Das Dorf liegt direkt neben Hattuşa. Der Hauptstadt der Hethiter, um 1500 alter Zeitrechnung (a.Z.). Zuvor gegründet von den Hatitern, die Ureinwohner Anatoliens. Die Ausgrabungen zeigen jetzt schon ein imposantes Bild von der Stadt. Natürlich wird man auch hier von den örtlichen Kunsthändlern begrüßt. Man kann sehr gut mit dem eigenen Fahrzeug in der Anlage die sehenswerten Punkte anfahren.

Hattusa, Sphinx Tor

Auch immer wieder zu sehen, die Bussladungen asiatischer Schnelltouristen. Einen Steinwurf entfernt ist das Felsheiligtum Yazilikaya (Inschriftfelsen). Dabei handelt es sich um zwei Kulträume unter freiem Himmel. Umgeben von bis zu 12 Metern hohen Felsen.

Yazilikaya

Dort sind faszinierende Götterreliefs eingemeißelt. Sie sollen bunt angemalt gewesen sein. Davor war eine kleine Tempelanlage, von der heute nicht mehr als die Grundmauern zu sehen.

Weiter ging es über Alaca und Kazankaya (ein Canyon, der leider nicht für Motorräder zugänglich war) nach Amasya. Wir hatten viel Zeit in Hattusa verbracht, denn wir machten unsere übliche Tschai-Pause in einem Hotel mit einem angeschlossenen Campingplatz. Dort war ein Schweizer Rentner mit seinen Camperbus. Wir tranken einen Tschai miteinander und tauschten Erfahrungen aus. Dadurch kamen wir im Dunkeln in Amasya an. Das ist kein Spaß im Dunkeln durch die Türkei zu düsen.

Pause

10.8.2015 Amasya – Erzincan-Kliçkaya

Amasya, Kale

In der Früh machten wir uns auf zur Kale (Burg), in hethitischer Zeit begründet. Später unter den pontischen Königen und weiteren Herrschern enorm ausgebaut, thront Sie über Amasya. Welche von Bergen eingerahmt ist.

Am Abend zuvor entschieden wir uns zur Weiterfahrt nach Erzincan, bzw. Kliçkaya. Da sich für diese Region eine gewisse stabile Situation abzeichnete, gegenüber anderen Landesteilen in der Türkei. Unterwegs war nur ein gepanzertes Fahrzeug zu sehen, in einem Seitental. Wir nahmen den schnellsten Weg. 50 Kilometer vor Erzincan veränderte sich die Landschaft zunehmend. Mir fiel nur eines ein: „Wildes Kurdistan“! Man kann es nicht beschreiben, man muss es selbst sehen. Berge bis knapp Viertausend Meter, grüne breite Täler. Eine eigenwillige Landschaftskomposition.

Begegnungen unterwegs

Im Tal von Erzincan fließt der Euphrat. Die Stadt hat schon mehr vom orientalischen Flair, als die anderen Orte die wir besucht hatten. So vielen deutschsprechenden Türken und Kurden bin ich an einem Tag in der Türkei noch nicht begegnet, wie hier. Und das in den verschiedensten deutschen Dialekten. Direkt nach unserer Ankunft in Erzincan, fuhren wir ein Stück weiter zu einem Restaurant namens Şelale (Wasserfall). Und genau an einem solchen lag es. Wir hatten uns vorgenommen bei erreichen Erzincan, gutes Essen und Raki.

Restaurant Şelale

Dies haben wir in dem Restaurant umgesetzt. Für mich sollte es aber noch bittere Folgen haben. Das Essen war hervorragend. Sodann fuhren wir zum Sedat’s Elternhaus. Alle Freuden sich über unsere Ankunft.

Die Nacht war gut auf 1400 Meter. Aber jetzt kommst, der Morgen war für mich eine Achterbahn, wie ich es noch nicht erlebt habe. Der Raki, den ich zu schnell und etwas zu viel getrunken hatte, bescherte mir einen Drehkreisel wie ich es noch nie erlebt habe. Details erspare ich allen. Das dauerte den ganzen Tag und die darauffolgende Nacht an. Das halbe Dorf machte sich schon Sorgen und einige wollten mich am Nachmittag ins Krankenhaus bringen. Für eine Infusion. Wahrscheinlich mit Raki!11.8.2015 Erzincan-Kliçkaya

12.8.2015 Erzincan-Kliçkaya

Heute Morgen waren wir bei Nachbarn zum Frühstück eingeladen. Okay, neun Uhr sollte es los gehen. Also machte ich mich fit so gut es ging. Denn es drehte immer noch etwas. Kopf unter kaltes Wasser und Bewegung. Jetzt konnte ich wenigstens gerade auslaufen, wenn man mich in die richtige Richtung drehte. Das Frühstück bei den Nachbarn war sehr gut und lustig. Denn jeder freute sich endlich den mysteriösen Besuch zu sehen. Die Fragen nach dem Wohlbefinden waren reichlich. Später drehten wir eine Runde auf den Hügel, wo ein Speicherbecken mit Quellwasser für Badespass sorgt. Zwei Dorfbewohner begleiteten uns. Alles irgendwie mit Sedat verwandt. Am Nachmittag fuhren wir nach Erzincan, um im Restaurant Dönerstan zu speisen. Dort habe ich den besten Döner bisher gegessen. Das was ich Deutschland für Döner gehalten habe, war keiner. Ein bisschen einkaufen und zurück. Im Dorf drehte gerade der Dorfhund, natürlich ein Kangal, seine Runde. Denn es gibt dieses Jahr häufiger Bären unterwegs. Leider ist uns bei unserem nächtlichen Spaziergang keiner begegnet. Vielleicht das nächste Mal.

Dorf-Kangal macht seine Abendrunde

13.8.2015 Erzincan-Kliçkaya

Die Welt ist wieder klar und dreht sich ohne mich auch weiter. Ab in die Berge, hieß es dann. Koffer abgebaut und Endurofertig gemacht. Zum Glück gibt es in ganz Türkei immer wieder Quellwasserstellen, wo man seinen Durst löschen kann. Der viele Staub lässt die Kehle austrocknen.

Richtung 3500 Meter

Naja, auch die 33 Grad. Nach ausgiebiger Bergendurofahrerei und Sedat’s Verwande besuchen; der hat viele; duschen ( erst die Maschinen, dann die Fahrer) und dann an die Planung der nächsten Tage. Ach ja, Tagebuch schreiben. Wie aber ins Internet senden? Man gehe den Dorfjugendlichen hinterher. Dort wo sie alle zusammen kommen ist der einzige WLAN Anschluss im Dorf. Cool! Die neue Art von Dorfplatz, wo alt und jung zusammen kommen.

Ach, noch was ganz wichtiges zu Erzincan. Hier ist ja Erdbebengebiet und leider immer wieder mal passiert es. 1938 war auch ein heftiges Erdbeben in Erzincan. Stehen geblieben sind der Bahnhof (gebaut von Deutschen) und das Bordell, als einzige Gebäude.

14.8.2015 Erzincan – Kayseri

Munzur Gebirge

Bei schönstem Wetter starteten wir in Kliçkaya. Geplant ist Richtung Kangal – Kayseri. Mal sehen wie weit wir kommen. Die Route führt uns entlang des Euphrat (Firat Nehri) bis Divriği. Das Flusstal glich weiten Teilen einem Canyon. Links das Munzur Gebirge mit über 3300 Meter hohen Gipfeln. Rechts auch eins, ab 2400 Metern. Dazwischen schlängelt sich die Straße und eine Eisenbahnstrecke durch die Berge. Da wir gut in der Zeit lagen, stand Kangal auf dem Plan. Dort begrüßte uns der allseits bekannte Kangal, in Form einer riesigen Statue.

Dorf-Kangal checkt ab

Ein sack geht noch drauf.

In Kangal

Da die Stadt sonst nix zu bieten hatte, fuhren wir direkt nach Kayseri. Fast wäre die Stadt die Hauptstadt der Türkei geworden. Sie hatte nur knapp bei der Wahl verloren. Im Zentrum angekommen, fuhren wir erstmal auf den Hauptplatz an der Seldschukischen Zitadelle. Das war nicht das erste Mal, mit auf dem Stadtplatz fahren. In Deutschland fast immer undenkbar. Wir sind halt coole Säue. Ah, Halt islamisches Land. Nix mit Säue, Ochsen?! Naja, Aufmerksamkeit haben wir dann allemal und müssen nicht immer so weit laufen. Ab in ein Café/Imbiss und einen Tschai getrunken. Dabei die Einheimischen mit Fragen genervt nach Hotels. Nur kurz die Zitadelle, aus Vulkangestein des Erciyes Dağı, angeschaut. Den Basar haben wir ausgelassen, weil doch zeitig nicht nur die Bordsteinkanten, hochgeklappt werden. Bier war nur in der Minibar des Hotels zu haben.

15.8.2015 Kayseri – Nığde

Der Wahnsinn hat einen Namen: türkischer Stadtverkehr. Nur raus aus Kayseri. Denn in Sichtweite lockt der Erciyes Dağı (Berg) mit 3917 Metern. Dies ist ein seit dem Altertum erkalteter Vulkan. Dieser hat vor 10 bis 30 Millionen Jahren dafür gesorgt, dass Kappadokien so entstehen konnte. Auch wird es der größte Wintersportort der Türkei. Es wird bis auf 2200 m Höhe gebaut was das Zeug hergibt. Straßen, Moscheen, Hotels und Lifte.

Auch in Kappadokien wird geheiratet

Kappadokien

Diesen Vulkan umrundeten wir, um anschließend direkt nach Kappadokien, Ürgüp bzw. Göreme, weiter zu fahren. Natürlich waren dort die ameisengleichen Touristenströme. Also suchten wir, etwas abseits, eine Möglichkeit mit unseren Maschinen an die Sehenswürdigkeiten heran zu kommen. Unter den neidischen Blicken der Touristen haben wir es natürlich geschafft. Nach Nigde war es dann nicht mehr all zu weit. Wie schon fast üblich, machten wir unsere Platzfahrt in Nigde, unter den neugierigen Augen der Einheimischen. Eigentlich auch fast jedesmal, kommt man mit irgendjemanden ins Gespräch, bzw Sedat. Schnell wird man zum Tschai eingeladen und erhält ortskundige Infos. Danke Sedat! Weil der Deutsche zu faul ist Türkisch zu lernen. Der gann ja seine eichne Sprooche noch nich mool richtich.

16.8.2015 Nığde – Ermenek (Taurusgebırge)

Block aus dem Grand Hotel

Nığde

Nach kurzem Plausch im Grand Hotel; hört sich besser an als es war das Hotel; mit zwei deutschen Aussenmonteuren die eine Anlage zum Befüllen von Säcken aufstellen, ging es Richtung Karaman. Das heißt langsames herantasten an das Taurusgebirge. Wie auch schon in den letzten Tagen, hatten wir eine gute Mischung der Fahrtstrecke hinbekommen. Dabei war uns ein Navi von TomTom hilfreich. Hin und wieder hat es uns aber auch verarscht. Woraus aber manchmal lustige Sachen entstanden sind. (Man hier riechst nach frischen Brot. Die backen immer noch um 22.34 Uhr in Ermenek.) äh, wo war ich? Ach ja, Orientierung. Von total super neu ausgebauten Straßen bis geile Offroadstrecken.

Aquädukt aus der Hethiter-Zeit

Alles ist dabei. Maiki hat schon vom vielen stehen Muskelkater in den Oberschenkeln, ärlisch. Uns fällt manchmal der Staub von den Klamotten ab, wenn wir eine Pause machen. So auch heute. Ab Karaman ging es ins Taurusgebirge voll rein. Mit zwei Pässen, aber nicht wie die in den Alpen. Nö, da geht’s zur Sache. Strassenverhältnisse alles was man sich denken kann und noch viel mehr. Meint man hier kann kein LKW lang fahren, weit gefehlt. Zwei- und Dreitausender Gipfel gaben sich die Hand. Nach dem letzten Pass, auf 1925 m, ging es langsam abwärts nach Ermenek. Vorbei an Cayon’s und Bergseen. Zum Abschluss ein herrlicher Blick auf den Stausee von Ermenek. Dies ist eine Bergbaustadt, wo Kohle abgebaut wird. Wie auch in anderen Minen der Türkei, gab es letztes Jahr ein Ünglück mit mehreren Toten.

Quellwasser

Passhöhe 1925 m

Taurusgebirge

Bergsee im Taurusgebirge

17.8.2015 Ermenek – Side (Manavgat)

Ermenek 1

Ermenek 2

Frühstücken im 7. Stock des Hotels mit einer Aussicht über den Stausee und den Bergen mitten im Taurusgebirge. Entlang der Berge mit tiefen Einblicken in herrliche Täler. Durch Dörfer, über Bergpässe und gesperrte Straßen. Allesamt haben vor uns wahrscheinlich noch nie ausländische Touristen gesehen. Unter Missachtung der Hinweisschilder, hier Sackgasse, sind wir eine in Bau befindliche Strasse einfach weitergefahren. Wir waren nicht die einzigen, ein paar Einheimische taten es uns gleich. Dadurch haben wir Ausblicke ins Gebirge bekommen, dem Grand Canyon fast gleich. Zumindest die eine Hälfte.

Sackgasse, was ist das?

Auch heute sind wir durch Gegenden gefahren, wo wir freundlich und neugierig von allen Seiten beäugt worden. Vor allen Dingen bei unseren Tschai-Pausen immer wieder woher, wohin, warum, wie gefällt es, wie heißt du usw. Dann gab es mal einen frischen Apfel aus der Region, oder einen Tip wo es Pluterhosen gibt. Durch Taşkent über Bozkir nach Side. In Ermenek, in den Bergen überhaupt, war es sehr erträglich mit den Temperaturen, durch den immer vorhandenen leichten Wind. Nachts waren es sehr angenehme 18 grad Celsius. 20 Kilometer vor Side haute uns der Hitzehammer unter die Helme mit voller Breitseite. Am liebsten wären wir sofort wieder umgedreht in die Berge. In Manavgat tranken wir unseren Tschai und fuhren dann zum Hotel nach Side. Dort genossen wir jeder ein Bier. Die staubige Kehle freute sich.

Side

18.82015 Side – Saklikent Kanyon (zwischen Kaş und Fethıye)

In der Früh zum Breakfast ein kleiner Kulturschock. Eine Mischung aus türkischen Zutaten und holländischer Vorstellung eines Frühstücks. Denn Conny’s Hotel wird von einem niederländischen Ehepaar geführt. Sehr freundlich und angenehm. Aber eben auf Pauschaltourismus ausgelegt. Passte für uns eigentlich nicht. Bis auf den kleinen feinen Pool hinterm Haus. Maiki ist gestern Abend nach Ankunft gleich mal rein gehüpft. Hat gleich ne kleine Walvorführung gemacht, hat aber kener je sehen. Total durch geschwitzt gings auf weiterfahrt. Kurz zu dem antiken Side gefahren und gleich wieder weiter gefahren, nachdem die örtlichen Wegelagerer saftige Parkgebühren zocken wollten. Über Antalya, irre, möglichst schnell in die Berge zurück. Das Flache hat doch etwas mehr von der Strecke in Anspruch genommen, als vorgesehen. In den Bergen im Ort Sütleğen, machten wir eine kleine Pause.

Sütleğen, Zweiradverrückter Ort

Der zentrale Platz mit seiner Lage, dem Tschai und Speiseangebot, sowie den kleinen Handwerkerstätten liesen uns hier rasten. Kaum geparkt schon waren unsere Motorräder umringt. Alt, jung, Rollerfahrer, Moped-, Motorradfahrer. Da wurde angegrabscht und gefragt. Auch wir waren neugierig. Denn so viele Mopeds, Roller und Motorräder haben wir in einem so kleinen Örtchen noch nicht gesehen. Zu den schon bekannten Marken wie KUBA, MONDIAL, YAMAHA, KANUNI, MZ, mischten sich zahlreiche neue und alte sowjetische ИШ планета Motorräder (IZH Planeta) unter den Fuhrpark.

Sowjetunion ist überall

Wir aßen einen Käse-Sucuk Toast, dazu den übliche Tschai. Vor der Weiterfahrt kam eine kleine Gruppe mit ihren Motocross Maschinen (XL), für einen kurzen fachmännischen Plausch. Unsere Verabschiedung glich einer kleinen Parade. Nachdem das Navi Maiki immer wieder mal ärgerte, wollten wir uns doch noch den Canyon, den wir eingeplant hatten, ansehen. Das war eine gute Entscheidung. Dadurch liegen wir auf einem Campingplatz direkt vor dem Canyon in herrlicher Umgebung. Man kann auch Baumhäuser mieten, aber für ein Viertel des Preises auch unter freien Himmel übernachten. Das Zelt ist zwar aufgebaut, aber nur für den Notfall. Dafür übernachten jetzt junge Mädels aus Australien, Amerika und Neuseeland in den Baumhäusern. Als Nachbarn haben wir einen Schweden der mit seinem expeditionsumgebauten Suzuki Vitara unterwegs ist. Mit Abstecher nach Armenien und Georgien. Gerade kommt ein Unimog-Expeditionstruck mit Saarbrückener Kennzeichen. Familie mit zwei Hunden. Morgen gehts in den Canyon.

Saklikent

Saklikent Canyon

Saklikent Canyon Campingplatz

19.8.2015 Saklikent Canyon

Nach einer guten Nachtruhe unter freien Himmel gings in den Canyon. Sowas habe ich noch nicht gesehen. Erst mal muss man durchs Wasser waden, um ins Canyon zu kommen. Viel durchs Wasser und kleine Kletterpassagen. Über Einem riesige durchspülte Felsen vom Wasser durchschnitten. Man kann es schlecht beschreiben. Nur anschauen und staunen.

Sonnenaufgang über den Canyon

Saklikent Canyon 1

Saklikent Canyon 2

Am Abend schauten wir unsere Maschinen durch, Ketten schmieren bzw. ölen. Auch der Luftdruck in den Reifen musste korrigiert werden. Sedat hat da einen kleinen feinen elektrischen Kompressor in Westentaschengrösse. Leider zieht der mehr Saft, als die Sicherung von Maiks Moped. Fast alles dabei, außer diese eine Sicherungsgrösse. Zum Glück hatten die Saarbrücker Truckreisenden sowas und schon konnte Maiki wieder sein Handy auf der Fahrt aufladen. Abends saßen wir mit der sehr netten saarländischen Familie bei Bier und Wein und tauschen viele Sachen aus.

20.8.2015 Saklikent – Akbük Koyu (Türkische Rivera)

Nach herzlicher Verabschiedung bei den Saarländern und bei Farin, ein Beschäftigter vom Campingplatz, war das nächste Ziel Tlos. Eine Stadt der Lykier und Mitglied im lykischen Städtebund der Antike.

Tlos

Wir fuhren weiter nach Bodrum. Entlang der Ägäischen Küste. Schmale Strassen und herrliche Aussichten auf’s Meer. Da es schon später Nachmittag war, sahen wir uns nach einer Übernachtungsmöglichkeit um. In einer Bucht der kleinen Halbinsel Akbük Koyu, waren drei Campingmöglichkeiten. Die hinterste davon war die schönste. Am Abend gab es ein Fussballspiel in der türkischen Süperliga. Das Jammern oder Feiern hörte man von verschiedenen Stellen der Bucht, lautstark. Überall standen Sonnenliegen, also brauchten wir das Zelt nicht aufbauen. Wir schliefen auf den Sonnenliegen. Der darauffolgende Sonnenaufgang war fantastisch.

21.8.2015 Akbük Koyu – Akbük (Didim)

5 Gedanken zu “Türkei-Tour 2015 oder zwei Ossis im Osten

  1. Hi ihr beiden…traumhafte Tour! Ist fast wie Heimweh kriegen, an vielen Stellen war ich vor etwa 30 Jahren… tolle Bilder!!!

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